Wo der Himmel die Hölle ist: Sommerakademie der Caricatura bringt neue Einsichten

Originelle Anmache: Beitrag von Christoph Müller.

Kassel. Wie anregend auch die fünfte Sommerakademie der Caricatura gewesen ist, wird an jeder Ecke der aktuellen Ausstellung deutlich. Bis 3. September ist zu sehen, was 18 Cartoonisten und Zeichner aus dem deutschsprachigen Raum in einer Woche in Kassel produziert haben.

Nicht nur bei den Aufgaben, die „Stern“-Karikaturist Gerhard Haderer als Leiter des Workshops und verschiedene Tagesreferenten gestellt haben, sondern vor allem in den freien Arbeiten ist die gleichermaßen kreative wie lässige Atmosphäre spürbar.

So auch im witzig gezeichneten Tagebuch von Kursteilnehmerin Ulrike Martens, in dem der Besucher blättern kann. „Wir streben an: die Erringung der Weltherrschaft des komischen Humors“, notiert sie am ersten Tag das Ziel, und ergänzt: „Ihr habt noch sieben Tage Zeit. Dann mal los. Tschakka!“

Fortan galt es, in zwei Tagen ein Daumenkino mit 40 Bildern herzustellen, sich von einer Exkursion ins Naturkundemuseum inspirieren zu lassen (der Kasseler Marc Seefried etwa zeichnete den Tod als Sensenmann, der in Liebe für ein ausgestelltes Skelett entflammt), zu zeichnen, „was man aus der Nase ziehen kann“ (eine Aufgabe von Cartoonist Martin Perscheid) oder ein fiktives Geschehen auf eine Schlagzeile zu verkürzen.

„Titanic“-Chefredakteur Leo Fischer dachte sich die Meldung aus, dass der Verteidigungsminister in einem Bundeswehrlager in Afghanistan durch einen Schuss am Oberschenkel verletzt worden sei. Constanze Breckhoff vom Lappan Verlag beleuchtete das Verlagswesen. Dominik Bauer vom Zeichnerduo Hauck & Bauer lehrte: „Die Botschaft ist der Feind der Komik“ und erbat einen Comicstrip für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung - der von Denis Metz wurde veröffentlicht. Auch die „taz“ druckte sechs Zeichnungen des Workshops.

Ausgeschöpft haben die Teilnehmer die Zeit bis zum Äußersten, nämlich bis weit nach Mitternacht. Manches Bild erschließt sich zwar erst auf den zweiten Blick, manches gar nicht. Aber vieles ist sehr lustig, oft auch bitterböse. Ob „Amy Winehouse als Kind“, die aus dem Kinderwagen eine Flasche wirft („Das ist kein Jim Beam! No, no, no!“) oder „Die Hölle für Satanisten“ (Eingangstor zum Himmel inmitten von Wölkchen) - als besonderes Talent sticht der freiberufliche Karikaturist und Illustrator Michael Holtschulte, geboren 1979, aus Herten ins Auge.

Bis 3.9., Do/Fr 14- 20 Uhr, Sa/So 12–20 Uhr, Caricatura, Rainer-Dierichs-Platz 1, Eintritt: 3 Euro.

www.caricatura.de

Von Mark-Christian von Busse

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