Otello auf modern: Jugendorchester-Projekt „Oh, tell O.!“ hat am Freitag Premiere

HipHop frei nach Verdi

Regisseurin Eva Lange

Kassel. Rossini und Rap, Verdi und Elektrobeats – die Mischung bei „Oh, tell O.!“ ist kurios, so kurios wie der Rest: Profis stehen mit Laien auf der Bühne, und aus dem Feldherrn Otello wird Mr. O., Leadsänger einer Pop-Band.

„Oh, tell O.!“ ist eine „Electr’opera“ – eine Oper, unterlegt mit elektronischen Beats, die in Kassel am Freitag Premiere feiert. Nach „Lost Violet“ (2010) ist das Stück die zweite „Electr’opera“, die das Staatstheater Kassel in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Musiktheater Opernloft entwickelt hat. Zum siebten Theater-Jugendorchester-Projekt kamen Jugendliche aus Kassel und Umgebung zusammen, um mit Profis eine Aufführung auf die Beine zu stellen.

Ziel war eine moderne Version der klassischen Shakespeare-Geschichte, in der Otello, der dunkelhäutige Maure, der mit der schönen Desdemona verheiratet ist, sein Vertrauen dem Falschen schenkt, nämlich Jago, der Otellos Eifersucht weckt und ihn damit ins Verderben stürzt. In „Oh, tell O.!“ verliebt sich Sänger Mr. O. in die Background-Sängerin Mona. Er ermöglicht ihr Soloauftritte, womit er den Neid der anderen Bandmitglieder provoziert. Vor allem die Eifersucht seines Freundes Jago zerrt an Mr. O.’s Nerven.

Musikalischer Ausgangspunkt sind die beiden Otello-Opern von Verdi und Rossini. Bei Shakespeare macht die Hautfarbe Otello zum Außenseiter – bei „Oh, tell O.!“ zeigt sich Mr. O.’s Anderssein darin, dass er der Einzige ist, der rappt, erklärt Schauspieler Thomas Sprekelsen. Als Mr. O. steht er neben den Opernsängern Inna Kalinina (Mona) und Hans Lydman (Jago) auf der Bühne. Die Rapstücke erarbeitete Sprekelsen (34) zusammen mit dem Kasseler HipHopper Tim Taylor (30).

Wer nun aggressiven Gangsta-Rap statt feinfühliger Poesie erwartet, trifft bei Taylor einen wunden Punkt. „Als Rapper kämpft man gegen eine Wand von Klischees.“ Dabei sei Gangsta-Rap nur ein kleiner Teil dieser Musik. „Diese Klischees aufzubrechen, ist eine Aufgabe des Stücks“, meint Sprekelsen. Vor allem gehe es aber darum, jungen Leuten klassische Genre schmackhaft zu machen.

„Es ist eine tolle Gelegenheit, meine Musik auf ein anderes Level zu bringen und ein ganz anderes Publikum zu erreichen“, sagt der Rapper. Sprekelsen, der früher selbst in einer Formation rappte, hat die Arbeit mit Tim wieder näher zum HipHop gebracht: „Ich überlege nun, mit meiner Band weiterzumachen.“

Neben den Profis werden etwa 25 Jugendliche mit auf der Bühne stehen. Beteiligt sind allerdings weit mehr, über fünfzig junge Musiker des Theater-Jugendorchesters. Die musikalische Leitung hat Dirigent Thomas Rimes. „Er ist derjenige, der alles zusammenhält“, sagt Regisseurin Eva Lange. Rimes habe bei den Proben für jede Idee ein offenes Ohr gehabt.

Hoch motiviert seien die Jugendlichen bei den Proben gewesen, sagt Lange. „Ich hätte am liebsten allen eine ganz große Rolle angeboten. Die Jugendlichen haben so viel Engerie eingebracht, davon haben alle profitiert.“

Premiere; Freitag, 19.30 Uhr, Schauspielhaus. Karten: 0561/ 10 94-222.

Von Claudia Hempel

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