Ein Boss mit Muckis

Zuhälter-Rap von Kollegah im Musiktheater

Kassel. Bevor Kollegah die Bühne  betritt, flimmert ein Einspieler über die Leinwand. Ein Einsatzkommando stürmt die Villa des Rappers. Doch der gibt sich kampfbereit, schlägt seine Widersacher zu Boden. Russische Sturmgewehre klicken, Schüsse fallen – alles liegt in Schutt und Asche.

Dann taucht Kollegah auf der Bühne des ausverkauften Musiktheaters auf, die Menge kreischt. Ein muskelbepackter Typ mit Jeans, Steppweste und Sonnenbrille rappt über seine Lieblingsthemen – starke Muskeln, schicke Frauen, schnelle Autos. Unterstützt wird Kollegah auf der Bühne von seinem Rapper-Kollegen Majoe und seinem Butler Frederik, der dem selbsternannten King auch mal die Zigarre anzündet. 

Selbstinszenierung

Das überwiegend junge, männliche Publikum feiert sein Idol, rappt jede Textzeile mit. Der treibt die Selbstinszenierung mit Gewehren in der Hand und vom Band abgespielten Kanonenschüssen auf die Spitze. 

Der Boss heißt eigentlich Felix Blume und ist vermutlich nicht einmal halb so gefährlich wie er gern wäre. Der 30-Jährige stammt aus dem hessischen Friedberg. Nach dem Abitur zieht es Blume nach Düsseldorf zum Jura-Studium, das er mittlerweile der Musik zuliebe abgebrochen hat. Parallel nimmt er an Rap-Wettbewerben teil und macht sich durch seine einzigartige Technik einen Namen in der HipHop-Szene. 

Mäßigung

Kollegah schmettert seine Textzeilen mitunter so schnell ins Mikrofon, dass er  nicht immer leicht zu verstehen ist. Er selbst nennt seinen Stil „Zuhälter-Rap“. Seine mitunter gewaltverherrlichenden, schwulen- und frauenfeindlichen Texte finden nicht überall Anklang. So kommt es schon mal vor, dass es wie 2011 in Bielefeld zu Protestaktionen vor seinen Auftritten kommt. Davon ist in Kassel allerdings nichts zu spüren. 

Zeilen wie „Ich bau Aggressionen ab durch Vergewaltigungen von Bordsteinschlampen“ stoßen dann aber doch übel auf. Er rappt über den Missbrauch Minderjähriger, Mord an Prostituierten oder Angriffe auf Schwule. Kollegahs Plattenfirma Selfmade Records schreibt auf ihrer Internetseite, dass HipHop-Musik nun mal von Grenzüberschreitungen und Übertreibungen lebe.

Im Übrigen, so die Firma, halte der Musiker jeden für gleichberechtigt, unabhängig von Geschlecht, Herkunft und sexueller Neigung. „Sollten die Textstellen einen anderen Eindruck vermittelt haben, so bittet Kollegah hierfür um Entschuldigung.“ 

HipHop fürs Fitness-Studio

Auf neueren Songs seines Albums „King“, das im Mai sofort auf Platz eins der Charts schoss, gibt sich Kollegah dann doch etwas moderater. Die Texte klingen wie eine Motivationshilfe fürs Gewichtestemmen im Fitness-Studio. In „Du bist Boss“ rappt er etwa „Du bist Boss, wenn jeder zweifelnde Ruf verstummt. Weil der Wille zum Erfolg durch deine Blutbahn pumpt. Du bist Boss, wenn du deine Ziele fokussierst“. In Kassel hat er dies eindrucksvoll getan.
Von Daniel Göbel

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