Der HipHop-Malocher: Rapper Megaloh ist in den Charts oben angekommen

Macht HipHop und jobbt als Lagerarbeiter: Der Berliner Uchenna van Capelleveen alias Megaloh. Foto: Winter

Das Leben von Uchenna van Capelleveen änderte sich, als er vor einigen Jahren zu spät zum Elternabend kam.

Die Kinder seiner Freundin gingen auf dieselbe Schule wie der Nachwuchs des HipHop-Stars Max Herre, der ebenfalls nicht rechtzeitig zur Versammlung kam. Die beiden kamen ins Gespräch, Herre nahm wenig später van Capelleveen für seine Plattenfirma unter Vertrag. Nun hat es Megaloh, wie sich der Sohn einer Nigerianerin und eines Niederländers als Rapper nennt, bis auf Platz zwei der deutschen Charts geschafft.

Auf dem Album „Regenmacher“ vereint der 35-Jährige kluge Reime, einen warmen Soul-Sound, Afrobeat, scheppernde Bassdrums, Live-Bläser, Jazz und Funk. Für manche Kritiker ist Megaloh schon der deutsche Kendrick Lamar – der Amerikaner gilt als einflussreichster Rapper der Welt.

Dabei war der Ex-BWL-Student aus Moabit schon fast gescheitert. Er ist sich nicht sicher, „ob ich heute noch Rap machen würde, wenn Max Herre nicht gewesen wäre“. Auf seinem 2005 erschienenen Debüt „Im Game“ machte Megaloh noch einen auf Größenwahn, wie es sein aus dem Griechischen abgeleiteter Künstlername nahelegt. Er rappte über schnelle Autos und wie man viele Frauen kriegt. Dabei gibt es nichts Langweiligeres als Typen, die sich für die Coolsten halten.

Der ehemalige Freundeskreis-Chef Herre brachte Megaloh nicht nur musikalisch weiter. Er ermutigte ihn auch, über das zu rappen, was ihn bewegt. So wurde van Capelleveen zum HipHop-Malocher. Um seine Familie zu ernähren, jobbt er nebenbei in einem Paketlager. Im Titelstück von „Regenmacher“, auf dem auch Gäste wie Herre, Joy Denalane und Jan Delay zu hören sind, rappt er: „Sie fragen mich: kann ich inzwischen von der Mucke leben? Könnt mir noch immer um vier Uhr morgens im Bus begegnen.“

In „Wohin“ beleuchtet er die Flüchtlingsfrage aus der Perspektive eines Migranten – seine Mutter flüchtete einst vor dem nigerianischen Bürgerkrieg nach Europa. Megaloh ist nicht der coolste Rapper, der er früher werden wollte, aber er hat nun etwas zu sagen. Darauf ist auch seine Mutter stolz, die mit Uchennas altem Leben nicht einverstanden war. Das änderte sich, als sie ihren Sohn im feinen Anzug neben Max Herre in der „Gala“ sah.

Megaloh: Regenmacher (Nesolah/Universal).

Wertung: Vier von fünf Sternen.

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