HipHop-Party im Streichelzoo: Aufsteiger Cro in Kassel

Genauso verläuft seine Karriere: Für den 22 Jahre alten Rapper Cro („Easy“) ging es in diesem Jahr steil nach oben – auch weil er sich nur mit Pandamaske fotografieren lässt. Foto: Schachtschneider

Kassel. Warum der Rapper Cro sein Gesicht hinter einer Pandamaske versteckt, weiß man spätestens, als er beim Konzert in der Kasseler Stadthalle einen Schluck Wasser trinkt.

Sofort wollen die kreischenden Teenagerinnen in der ersten Reihe die Flasche haben. Und als Cro der Deckel runterfällt, reißen sich die Mädchen sogar um den Plastikverschluss. Die Maske schützt Cro vor der Hysterie seiner zumeist weiblichen Fans.

Mit einer erfrischenden Mischung aus Rap und Pop sowie dem Mega-Hit „Easy“ ist der 22 Jahre alte Stuttgarter zum Aufsteiger des Jahres geworden. Vor einem Jahr kamen gerade mal 100 Zuschauer zu seinen Konzerten. Mittlerweile hat er mehr als 1,5 Millionen Facebook-Fans. Überall in der Republik mussten seine Auftritte in größere Hallen verlegt werden. Auch die 2600 Karten für die Stadthalle waren bereits seit Monaten ausverkauft.

Jeder andere würde da durchdrehen, doch Cro rappt, als wäre er immer noch Azubi zum Mediendesigner bei der „Stuttgarter Zeitung“. „Ich bin genauso wie du, denn du bist irgendwie anders. Ganz normal, doch nicht Standard. Und nein, ich brauch keinen Ruhm, denn am liebsten bin ich genauso wie du“, heißt es in „Genauso“.

Fotos: Cro begeistert in der Kasseler Stadthalle

Cro begeistert in der Kasseler Stadthalle

Cro heißt eigentlich Carlo Waibel und hat ein Talent für charmante Reime, die nicht von Politik und Gewalt handeln, sondern von Freundschaft und Liebe. Nach so jemandem sehnt sich die kriselnde Plattenindustrie, aber Cro ist beim Stuttgarter Indie-Label Chimperator unter Vertrag. In „King of Raop“ stellt er klar: „Wer ist der Coolste im Game und tut’s für dich und nicht für den Fame, denn er gibt nen Fick auf Majors aber macht trotzdem Paper.“ Diesen Erfolg haben sich die Jugendlichen selbst aufgebaut.

Eineinhalb Stunden lang gibt es außen Top-Hits und innen Geschmack, wie es Fettes Brot einst nannten. Cro ist deutlich näher am Hamburger Pop-HipHop-Trio als an den Brutalo-Rappern wie Bushido und Sido, die hierzulande lange den Ton angaben. Mit DJ Psaiko Dino, einem Schlagzeuger sowie einem Gitarristen liefert der etwas andere Star eine professionelle Show ab. Die Songs, für die Cro oft Samples von Indierock-Bands wie Bloc Party verwendet, funktionieren auch live hervorragend.

Alles sieht ganz „Easy“ aus – wie im gleichnamigen Hit, in dem Cro den Bobby-Hebb-Klassiker „Sunny“ zitiert. Am Ende singt ihn die ganze Halle. Der junge Mann mit der Pandamaske dirigiert den Streichelzoo-Chor. Aber ist das überhaupt Cro? Zur Echo-Verleihung im Frühjahr hatte er keine Lust. Er lieh die Verkleidung dem Praktikanten eines HipHop-Magazins aus und blieb zuhause. Es gibt viele Gründe, eine Maske zu tragen.

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.