24-jähriger Kasseler mischt Beats mit melancholischen Tönen

HipHop verleiht ihm Flügel: Paul Wind rappt am Klavier

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Tourt derzeit mit Christian Durstewitz: Rapper Paul Wind alias Ippolit Vikhorev (24).

Kassel. Als Kind träumte Paul Wind von einer Karriere als Pianist, dann fand er HipHop cooler. Nun bringt der Kasseler Student beide Welten kongenial zusammen.

Als Klavierschüler hat Paul Wind immer den Moment verflucht, wenn der Apfel herunterfiel. Er musste Chopin so lange üben, bis der Apfel auf seinem Handrücken liegen blieb. „Das war die harte russische Schule“, sagt der 24-jährige Kasseler, der in St. Petersburg geboren wurde, in Fritzlar aufgewachsen ist, schon seit zehn Jahren HipHop macht und nun das Klavierspiel neu entdeckt.

„Piano“ heißt der Track, auf dem Wind mit Baseball-Cap am Flügel sitzt und Zeilen rappt wie: „Seither denk ich nur noch in Tonarten, durch meine Adern fließt kein Blut, es sind Sonaten.“ Klavier-Samples aus dem Computer verwenden viele HipHopper. Aber dass ein Rapper am Klavier sitzt und Beats, Harmonien sowie den Rhythmus seiner Texte selbst zusammenbringt, kennt man so noch nicht.

Sieben Jahre lang hat Wind früher jeden Tag geübt. „Ich war auf einem krassen Level“, sagt der Student der Kasseler Kunsthochschule, der eigentlich Ippolit Vikhorev heißt. Mit 14 fand er es dann aber cooler, auf dem Skaterplatz abzuhängen, als bei seiner russischen Klavierlehrerin vorzuspielen.

Er begann, Beats zu basteln, trat auf Jams auf und suchte sich einen Künstlernamen. Es sollte ein deutscher Name sein, den man leicht googeln kann. Ippolit kam auf Paul Wind und erst danach entdeckte er, dass sein Nachname Vikhorev im Russischen „Wirbelwind“ bedeutet. Klingt nach einer windigen Geschichte, ist aber wirklich so.

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Wie gut Wind als Rapper ist, beweist sein im Vorjahr erschienenes Album „Melancolica“, auf dem auch Christian Durstewitz zu hören ist. Mit dem Casting-Held („Unser Star für Oslo“), den Wind noch aus gemeinsamen Fritzlarer Zeiten kennt, hat er den Gute-Laune-Song „Pause“ aufgenommen. Ansonsten klingen seine Tracks jedoch melancholisch. „Das Chopinartige liegt in meiner Ader“, sagt das Multitalent.

Wind ist jetzt wieder einen Schritt zurückgegangen, um vorwärtszukommen: „Ich habe mich gefragt, was mich besonders macht.“ Klavier und Beats sind selbst im vielfältigen deutschen HipHop ungewöhnlich.

Das jüngste Video hat er im Kasseler Pianohaus Doppelstein aufgenommen. Wind weiß, wie man Clips macht. Neben seinem Studium der Neuen Medien arbeitet er als Musikvideo-Produzent. Sein Film für den ehemaligen „DSDS“-Teilnehmer Ardian Bujupi hat bei Youtube fast eine Million Klicks.

An seiner Karriere bastelt Vikhorev vor und hinter der Kamera. Nur mit dem Klavierüben ist es schwierig. Wind hat kein eigenes Instrument. Seine Mutter hat darum nicht viel von ihm, wenn er sie in Fritzlar besucht: Er übt dann die ganze Zeit auf ihrem Klavier.

Paul Wind tritt am 3. Juli mit Christian Durstewitz auf dem Baunataler Stadtfest auf.

Paul Wind "Piano"

Paul Wind und Christian Durstewitz "Pause"

Musikvideos von Ippolit Vikhorev gibt es hier

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