HipHopper Ssio ist der Meister des obszönen Humors

Gern mal ein Grinsen im Gesicht: Rapper Ssio. Foto: Facebook

Der Bonner Rapper hat ein neues Album veröffentlicht: "0,9"

Es gibt Künstler die sich auf jedem Album von einer neuen musikalischen Seite präsentieren wollen. Und dann gibt es Künstler wie den Bonner Rapper Ssio, der auf seinem neuen Album „0,9“ thematisch einfach da weiter macht, wo der Vorgänger „BB.U.M.SS.N“ vor drei Jahren endete und trotzdem zum Renner in sozialen Netzwerken wurde und sich letztlich die Chartspitze sicherte.

Ssio steht immer noch auf Pommes, Frauen mit Rubenskörpern und grünes Zauberkraut, daran lässt der 27-Jährige auf „0,9“ keinen Zweifel. Nichts Neues, könnte man also meinen – wäre da nicht die Kombination aus unnachahmlichem Rapflow und obszönem Humor, den vermutlich niemand so charmant zum Ausdruck bringt, wie der nette Dealer von Nebenan.

Ssiawash Sadat kommt als Sohn afghanischer Eltern in Bonn zur Welt. Schon zu Hause hängst man ihm einen Spitznamen an, denn in seiner Familie war er der dunkelste. Aus dem afghanischen Wort für Schwarz entsteht sein Künstlername: Ssio. Die Ausbildung läuft für den pubertierenden Rap-Fan erst alles andere als rund, er fliegt von mehreren Schulen, ehe er die Kurve kriegt und sein Fachabitur nachholt. Neben seiner Karriere als Rapper studiert Ssio aktuell Betriebswirtschaftslehre an der Uni Koblenz.

Durch seinen älteren Bruder Sohail, der für das Bonner Musiklabel Alles oder Nix arbeitet, lernt Ssio schließlich den Boss des Labels kennen – Gangsterapper Xatar, der mit einem Überfall auf einen Goldtransporter und einer späteren Inhaftierung in einem irakischen Geheimgefängnis der Öffentlichkeit bekannt wurde.

Im September 2012 veröffentlicht Ssio sein Debüt-Mixtape „Spezial Material“, dass in der HipHop-Szene hohe Wellen schlug. Denn schon damals fiel Ssio mit ureigenem Humor und sprachlicher Raffinesse auf, was er auf „0,9“ konsequent fortführt. Besonders der Track „SIM-Karte“ ist eine harte Probe für die Lachmuskeln. „Meine Finger sind flink auf Rubbelfeldern, sämtliche Passwörter sind unbenennbar. Ich steck die Karte in das Samsung-Handy, stell mich auf die Straße und mach den Balotelli, Nuttööö“, oder „An der Theke Khat kauende Somalier, bei denen die Zähne abbauen am Oberkiefer. Hol Kartenmengen zu Brüderpreisen, zahle bar, anonym, scheiß auf überweisen.“ Um nur einige Beispiele zu nennen.

Verwirrend wird es auf „Don & Fuß“ mit Label-Boss Xatar. Zu Beginn des Songs unterhalten sich die beiden in Bi-Sprache, wie sie schon Joachim Ringelnatz in seinem „Gedicht in Bi-Sprache“ benutzte. Für die Beats zeichnet Reaf verantwortlich. Das Wichtigste aber bleibt, dass Ssio es nach wie vor „Mit Herz“ macht, wie er selbst betont. Man kann das Grinsen in seinen Mundwinkeln förmlich aus Zeilen wie „Illegalen Handel treiben bringt lange Aktenzeichen, deutsche Rapper riechen nach Bananenweizen“ heraushören. „0,9“ ist eine unterhaltsame Mischung aus Straßenticker-Geschichten, Pumper-Lifestyle, Gras-Huldigung, Sex-Sucht und jeder Menge Selbstironie.

Ssio: 0,9 (Alles oder Nix Records). Wertung: Vier von fünf Sternen

Ssio tritt am 29. September im Kasseler Club 130 BPM (Musiktheater) auf.

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