Zu seinem 48. Geburtstag präsentierte sich das Festival jünger denn je

Hippie-Fest in Herzberg ohne Hippie-Bands

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Fröhliche Gelassenheit: Chris Leslie von der Folk-Rock-Band Fairport Convention.

Bad Hersfeld. Das Herzberg-Festival ist kein Relikt mehr einer längst vergangenen Zeit, sondern ähnlich dem Coachella oder SXSW Festival ein Fest alternativer Lebenskultur mit attraktiver Musik.

„Hippie-Festival“ steht schon lange nicht mehr auf den Plakaten und auch das „Burg“ wurde gestrichen. Noch auffälliger sind die Namen der Künstler: AnnenMayKantereit, Beth Hart, JJ Grey, Rainald Grebe und viele mehr zeigen.
Erinnerungen an die Hippies gab es trotzdem. Rainald Grebe sprach bei seinem Soundcheck statt „Test, Test, Test“ immer „Hippie-Festival, Hippie-Festival“ ins Mikro und hatte sofort die Lacher auf seiner Seite, ebenso mit der Bemerkung: „Wir sind die einzige deutsche Band auf diesem Festival, und das nehmen wir sehr ernst.“ Seinen Gag „Mein Name ist Rainald Grebe, ich komme aus Grebenau“ verstanden die wenigsten. Grebenau ist ein Dorf nahe dem Festivalgelände.

Auch 2016 dabei: Yael Shoshana Cohen von Lola Marsh.

„Was sollen wir auf einem Hippie-Festival?“, hatte sich wahrscheinlich auch die Royal Southern Brotherhood gefragt. Die Band aus dem Süden der USA, die wie eine Mischung aus den Allman- und den Neville-Brothers (mit Cyril Neville, Percussion und Gesang) klingt, hatte wohl eigens für den Herzberg „Fire on the Mountain“ von Grateful Dead eingeübt und sehr originalgetreu interpretiert.

„Wo soll das bloß enden?“, fragten sich die vielen, auch aus Frankreich und der Schweiz angereisten Fans von Fairport Convention, als die Festival-Headliner ihren Set mit Klassikern wie „Sir Patrick Spens“ und „Walk Awhile“ begannen. Doch die 48 Jahre alte Mutter aller Folk-Rock-Bands hatte noch viel Luft nach oben. Diese Band muss nichts mehr beweisen, und die damit verbundene Gelassenheit legte sich über die mehr als 11 000 Zuhörer. Als Zugaben gab es „Matty Groves“ und „Meet on the Ledge“, frisch, als wären die Songs gestern erst entstanden. Erwartungsgemäß überzeugende Konzerte gab es auch von Blues-Sängerin Beth Hart, die das Festival eher rockte als „blueste“, und von der nach den Rolling Stones wohl zweitältesten Rockband der Welt, den Pretty Things.

Eine Entdeckung: Leila Seguin von Cristobal and the Sea.

Die Überraschung des Festivals waren jedoch zwei junge Bands, von denen man in nächster Zeit viel hören wird. Cristobal and the Sea sind vier Musiker aus Spanien, Portugal, Korsika und England, die sich in London an der Uni kennengelernt haben und gemeinsam musizieren wollten, obwohl jeder andere Vorlieben hatte. Aber genau diese nie zuvor gehörte Mischung aus BritPop, Bossa Nova und Chanson funktioniert und überzeugt. Ihr Album erscheint am 2. Oktober.

Ebenso überraschte Lola Marsh, ein Ensemble aus Israel, dessen charmante und in jeder Hinsicht faszinierende Sängerin Yael Shoshana Cohen man als Lana Del Rey des Mittleren Ostens bezeichnen könnte. Lola Marsh wurden sofort nach ihrem Konzert als ein Hauptact für das Festival 2016 (28.-31.7.) gebucht. Mit Recht.

Herzberg-Festival: Impressionen vom 1. Tag

Herzberg-Festival: Impressionen vom 2. Festivaltag

Herzberg-Festival: Impressionen vom 3. Tag

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