Interview: Tom Tykwer, Lana und Andy Wachowski führen Regie beim Mega-Film „Cloud Atlas“

„Hirn mit Nahrung versorgen“

Ein mediengewandter Filmemacher trifft zwei öffentlichkeitsscheue Visionäre - vielleicht brauchte es genau diese Mischung, um den als unverfilmbar geltenden Roman „Cloud Atlas“ von David Mitchell auf die große Leinwand zu bringen. Zu dritt haben sich Tom Tykwer und die Wachowski-Geschwister Lana und Andy vor vier Jahren ans Werk gemacht. Nun präsentiert das Trio ein ungewöhnliches Stück Kino.

Drei Regisseure, ein Film – wie funktioniert das?

Andy Wachowski: Film ist ein Medium, das auf Zusammenarbeit basiert. Es steht immer ein Kollektiv dahinter.

Lana Wachowski: Haben Sie es jemals hinterfragt, wenn drei Autoren an einem Film geschrieben haben ...

Tom Tykwer: ... dabei ist gerade das Schreiben der intimste Prozess beim Filmemachen, man assoziiert ihn gern mit Einsamkeit. Wenn man Regie führt, ist das ein komplett sozialisierter Vorgang. Wir drei harmonisieren sehr gut miteinander, wir pflegen eine liebevolle Beziehung. Es ist wie in einer Ehe. Wenn du den richtigen Partner hast, ist er eine Erweiterung deiner selbst.

Aber auch in der besten Ehe fliegen manchmal die Fetzen.

Tykwer: In einer Ehe, die auf Liebe basiert, begibt man sich nie auf Terrain, das sich als zerstörerisch erweisen könnte.

Gab es trotzdem Momente der Verzweiflung?

Lana Wachowski: Der Film hätte nicht überleben können, wäre seine Herstellung nicht so freudvoll gewesen. Ohne Bezahlung haben wir uns für vier Jahre in diese Aufgabe gestürzt. Es war zermürbend, das Geld aufzutreiben.

Warum war es so schwierig, trotz der Starbesetzung mit Tom Hanks und Halle Berry eine Finanzierung auf die Beine zu stellen?

Tykwer: Das hat uns auch überrascht. Gerade, nachdem wir diese großartigen Schauspieler verpflichten konnten. Heutzutage ist es noch schwerer geworden, ästhetische Filme zu realisieren, die das Hirn mit Nahrung versorgen. Die nicht Fastfood sind, sondern ein Sechs-Gänge-Menü, bei dem man neue Geschmacksrichtungen entdecken kann.

Lana Wachowski: Heute werden die Kinos von Produkten beherrscht. Du hast James Bond, „Der Hobbit“ oder „Twilight“. All diese Fortsetzungen und Remakes sind genauso, wie man es erwartet. Das sind keine Kunstwerke, es sind Fastfood-Produkte, die Erwartungen erfüllen sollen.

Tykwer: Wir drei stehen für das Kino als Platz der Unterhaltung und des Nervenkitzels. Wir möchten ja kein Projekt finanzieren, das nicht unterhaltsam ist, im Gegenteil.

Glauben Sie an das Konzept der Seelenwanderung, das zentrale Thema in Buch und Film?

Lana Wachowski: Als Schreiber musst du dazu in der Lage sein, an alles zu glauben. Wir haben uns immer gleichermaßen für spirituelle und weltliche Dinge interessiert.

Tykwer: Unser Interesse an spirituellen Dingen schlägt sich in all unseren Filmen nieder. Dieser Film soll es jedem Zuschauer ermöglichen, sich mit seiner Perspektive vom Verständnis des Universums einzuklinken. Wir verkaufen keine dogmatische Version.

Ist das Publikum neugierig genug auf einen Film wie diesen?

Andy Wachowski: Vielleicht dauert es eine Weile, bis der Film sich durchsetzt. Er handelt von uns allen.

Lana und Andy Wachowski, Sie haben sich der Pressearbeit bislang verweigert. Warum?

Andy Wachowski: Wir haben nur zum ersten „Matrix“-Film ein paar Interviews gegeben, das war vor 13 Jahren. Unsere Anonymität bedeutet uns sehr viel. Wenn man sie einmal verloren hat, kann man sie nie zurückerlangen.

Warum sitzen Sie hier?

Andy Wachowski Es gehört zu der Vereinbarung, die wir drei getroffen haben. Es fällt mir sehr schwer, meinen Film erklären zu müssen.

Von André Wesche

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