80er-Jahre-Hits und Kommentare zum aktuellen Geschehen

Mit Hits und Haltung: Purple Schulz in Schauenburg

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Kölsches Plädoyer für Toleranz: Purple Schulz beim Auftritt in Elgershausen.

Schauenburg. Mit seinen 80er-Jahren-Hits, aber auch vielen Kommentaren zum aktuellen Geschehen gastierte Purple Schulz im Savoy-nouvel in Schauenburg-Elgershausen.

Nicht alle Tage wird man mit einer kognitiven Dissonanz in die Pause geschickt - wie von Purple Schulz am Freitag in der Elgershäuser Kultdisco Savoy-nouvel. Bevor die Gäste sich ein Getränk holten oder das stille Örtchen aufsuchten, überraschte der Kölner mit einer herrlichen Schlager-Parodie.

Dafür verwandelte er sich mit Wuschelperücke und Schnurrbart ins Klischeebild eines Migranten und stimmte zu Schlager-Melodien subversive Zeilen an: „Ich lerne eure Sprache und ich singe dieses Lied, doch gehört zu eurer Leitkultur wirklich diese Art Musik?“

So entstand eine Reibung zwischen Mitklatschlaune und kritischem Text - eine kabarettistische Glanznummer. Der 59-Jährige bewies an diesem (mit Pause) fast dreistündigen Konzertabend seine musikalische Power als Sänger und Keyboarder. Und er überzeugte als Künstler mit Haltung. „Jeder Jeck ist anders“ - so sein sehr kölsches Plädoyer für Vielfalt und Toleranz.

Seine größten kommerziellen Erfolge hat Schulz in den 80ern gefeiert, so durften die alten Hits nicht fehlen. Nun hat man bei alten Liedern oft schon feste Bilder im Kopf. Vor der Gänsehautnummer „Sehnsucht“ empfahl er, sie zu vergessen und sich stattdessen die Bilder vorzustellen, die heute auf griechischen Inseln aufgenommen werden. Gemeint war das Leid der Flüchtlinge.

Doch auch der Humor kam nicht zu kurz. Natürlich hatten die „verliebten Jungs“, ein weiterer Hit, ihren schwungvollen Auftritt. Die 115 Gäste feierten Purple Schulz und seinen versierten Begleiter Markus Wienstroer (Gitarre, Violine) denn auch mit Riesenbeifall. Auch in den beiden Zugaben blieben die Texte hängen, zum Beispiel: „Sei einzig, nicht artig und niemals normal. Denn die Normalität endet immer katastrophal.“

Von Georg Pepl

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