Hits trotz Ärger im Pop-Paradies: Das neue Album von La Roux

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Sieht aus wie die Tochter der Schauspielerin Tilda Swinton und Tim ohne Struppi: Sängerin Elly Jackson alias La Roux auf dem Cover ihres Albums „Trouble In Paradise“ und im echten Leben. Fotos: Universal

Nach ihrem Durchbruch vor fünf Jahren verlor La Roux ihre Stimme. Nun klingt die britische Sängerin mit ihrem 80er-Jahre-Synthiepop besser denn je.

Elly Jackson hat schon immer schöne Geschichten erzählt. Als die Britin vor fünf Jahren unter ihrem Künstlernamen La Roux und mit 80er-Jahre-Synthiepop den Durchbruch schaffte, erzählte sie, ihre Eltern hätten sie gezeugt, während „Sweet Dreams“ von den Eurythmics im Radio lief. Ach so, dachte man, deshalb klangen die Lieder von La Roux also so retro.

Auch anlässlich ihres zweiten Albums „Trouble In Paradise“ erzählt die 26-Jährige wieder Geschichten. Nur sind die nicht mehr so schön. An dem überwältigenden Erfolg von Hits wie „Bulletproof“, der ihr unter anderem sechs Millionen verkaufte Singles und einen Grammy einbrachte, wäre sie beinahe zerbrochen. „Darauf war ich nicht vorbereitet. Ich war 21 und habe noch bei meinen Eltern gewohnt“, sagt die Londonerin.

Plötzlich wollten die Leute wissen, ob die androgyne Frau mit der roten Tolle lesbisch sei. Jackson zerstritt sich mit ihrem Produzenten Ben Langmaid, der eine Hälfte von La Roux gewesen war. Sie bekam Panikattacken und dann versagte ihre helle Sopranstimme.

Zwei Jahre lang rannte Jackson von einem Arzt zum anderen. Sie ging nicht mehr auf Partys und trank irgendwann nur noch heißes Wasser. Bis jemand feststellte, dass ein Muskel im Rachen verspannt war. Dank einer neuen Singtechnik ist Jacksons Stimme wieder da, was ein Glücksfall ist.

Die neun Songs von „Trouble In Paradise“ haben allesamt das Zeug zum Sommerhit. Aus den eingängigen Hooklines von Liedern wie „Kiss And Not Tell“ hört man immer noch die Eurythmics und David Bowie zu „Let’s Dance“-Zeiten heraus, aber die Arrangements klingen nicht mehr so kalt. „Das neue Album hat irgendwie eine warme, sexy Energie“, sagt die Multiinstrumentalistin, die ihren Tontechniker zum Produzenten gemacht hat und mit ihrem Ex-Kollegen Langmaid kein Wort mehr redet. Manchmal hört man eine Art Electro-Calypso und Funk-Gitarren wie bei Disco-Legende Nile Rodgers.

Im unwiderstehlichen „Sexoteque“ geht es um einen Mann, der nicht aufhören kann, in Sexclubs zu gehen. Die Spielarten der Liebe bleiben das Hauptthema von La Roux. Im Eröffnungsstück „Uptight Downtown“ singt sie jedoch über die Unruhen im Londoner Stadtteil Brixton, wo sie immer noch zu Hause ist. In die Euphorie des Debüts mischt sich Melancholie.

Inspirieren ließ sich La Roux von einer tropischen Insel, auf die die Tochter einer Schauspielerin schon als Kind reiste. Sie fragte sich, was die netten Restaurant-Bedienungen wirklich von den Touristen denken und wie der Ort wohl aussieht, wenn all die Urlauber wieder weg sind. Auch das ist eine schöne, traurige Geschichte.

La Roux: Trouble in Paradise (Polydor/Universal).

Wertung: vier von fünf Sternen

Von Matthias Lohr

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