Cooler Funk von Mo’Blow beim Jazzfest im Schlachthof

Hitze im Kessel

Am Ende hielt es bei ihnen niemand mehr auf den Sitzplätzen: Bassist Tobias Fleischer und Saxofonist Felix Falk. Foto: Schoelzchen

Kassel. Mehr als Mo’Blow geht nicht. Zumindest im Genre Jazzfunk gehört das Berliner Quartett zum Besten, was Europa zu bieten hat. Niemand Geringerer als Nils Landgren produzierte ihr aktuelles Album „For Those About To Funk“, und Gäste wie Vibrafonist David Liebmann und Gitarrist Anthony Ormesher veredelten den kompakten Sound.

Beim Jazzfest Kassel konnte sich das Publikum im voll besetzten Kulturzentrum Schlachthof von der Live-Qualität überzeugen. Funk ist eigentlich eine Domäne der afroamerikanischen Musikerszene. Die Mentalität hinter den Rhythmen und Melodien verlangt nach Action. Und man muss sichtbar locker bleiben. Konzentriert man sich auf das rein musikalische Geschehen, landet man schnell bei den Begriffen Präzision, Perfektion und Virtuosität.

Mo’Blow sind so eine Band, die mit didaktischer Reduktion Erstaunliches zustande bringt. Was vor der Pause noch etwas akademisch daherkam, gewann im zweiten Teil des Abends enorm an Emotionalität. Außergewöhnliche Kompositionen verstärkten die Aufmerksamkeit, und mit ansteigender Spielfreude erhöhte man die Temperatur im Kessel.

Schlagzeuger André Seidel manövrierte mit druckvollem Spiel und knackigen Soli die akribisch gepflegte Funk-Limousine in die Moderne, und Keyboarder Matti Klein ließ sich zu ausgiebig gestalteten Ausflügen über die gesamte Tastatur hinreisen.

Bassist Tobias Fleischer folgte dem Schlagzeug auf Schritt und Tritt, kramte die Slaptechnik aus der Schatztruhe und sorgte mit technischen Soundspielereien für Abwechslung. Alt- und Bariton-Saxofonist Felix Falk verfügte über einen stechend klaren Ansatz und spielte des Öfteren in extrem hohen Lagen.

Einige Ideen brachten zusätzlich Schwung in die Performance. Didgeridoo-Klänge, eine funky arrangierte Beatles-Adaption („Lady Madonna“) und sensibel gespielte Duo-Passagen sorgten für Farbe im Programm. Ebenfalls als vorteilhaft erwies sich die staubtrockene Klangmischung von Robert Sell an den Reglern.

Zum Ende hielt es niemanden mehr auf den Sitzplätzen, und die Zugaben wurden mit ausladenden Beckenschwüngen kommentiert. Die deutschen Jazz-Crusaders hatten sich den großen Applaus redlich verdient.

Zum Abschluss des Jazzfests gibt es heute, 20 Uhr, die Lange Jazznacht im Gleis 1. Tickets nur an der Abendkasse.

Von Andreas Köthe

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