Sieben Mio. Zuschauer sehen RTL-Show im Schnitt

Darum ist das Dschungelcamp so erfolgreich

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Noch nie haben so viele Menschen das Dschungelcamp gesehen. Im Schnitt 7,31 Millionen schalten ein - bei den 14- bis 49-Jährigen bisweilen fast viermal so viele wie bei der „Tagesschau“.

Morgen wird der „Dschungelkönig“ gekrönt. Was macht den Erfolg von „Ich bin ein Star - holt mich hier raus!“ aus?

Das Camp als Bühne: „Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler“, heißt es bei Shakespeare. Hier ist das ins Extrem gesteigert: Diese Welt ist reduziert, überschaubar, 24 Stunden mit Kameras einsehbar. Jeder hat bloß wenige „Luxusgegenstände“, Reis und Bohnen bestimmen den Speiseplan, alle werden auf sich selbst zurückgeworfen. Es gibt kein Entrinnen, kaum Beschäftigung, die Regeln sind streng, und RTL zeigt alles - selbst wenn Kandidatin Georgina Bülowius Abführmedikamente verlangt.

Alle nehmen Rollen ein: Das Dschungelcamp ist ein Fest für Soziologen und überhaupt alle, die verstehen wollen, wie Gesellschaft funktioniert. Die Rollen ums Feuer waren blitzschnell festgelegt. RTL hat klug gecastet und inszeniert. Es gibt die Camp-Mutti („Reeperbahn-Transe“ Olivia Jones), Zicken im Kriegszustand (Georgina und Fiona Erdmann), den unbeholfenen Schützling aller (Joey Heindle, den die „Bild“-Zeitung „naturdoof“ nennt), den hilfsbereiten Ruhepol (Ex-„Dagobert“ Arno Funke), die leidende Außenseiterin (Tony-Curtis-Tochter Allegra). Letztere wurden früh rausgewählt. Zu langweilig.

Schauspiel der Emotionen: Die Rollen bilden ein gewisses Korsett. Doch bei den Emotionen geht es auf und ab und stets hoch her. Alle müssen kooperieren, konkurrieren aber auch. Wie bei jeder Daily Soap möchte man zu gern wissen, wie’s weitergeht: Es wird gelästert, angefeuert, gestritten, geherzt, geweint, Versöhnung gefeiert. Um sofort wieder übereinander herzufallen. Nur Joey hält sich raus. Sein schönster Satz übrigens: „Ich möchte hier nicht morgen früh tot aufwachen.“

Momente der Wahrheit: Zu den unterhaltsamsten Szenen gehört, wenn Bühnendarstellung und wahres Ich, Selbstwahrnehmung und Realität auseinanderklaffen: Wenn Georgina sich als Heldin der Prüfungen feiert - man hat gesehen, wie sie gezaudert und aufgegeben hat. Wenn Allegra sich rühmt, sie habe „fast ganz ohne Quengeln“ durchgehalten - man hat sie nur jammern gehört. Wenn Claudelle Deckert, die eigentlich Claudia heißt, ihr Alter plötzlich korrekt angibt. Heute wird sie 39. Offiziell aber 37. Die Diskrepanz liegt schon darin, dass sich alle als „Stars“ sehen.

Die Moderatoren: Sonja Zietlow und Daniel Hartwich decken diese bizarre Wahrnehmung gnadenlos auf: witzig und intelligent. Sie adressieren ein nicht feines, aber wirksames Gefühl: Schadenfreude.

Wir sind alle Camper: Jeder dürfte kennen, dass es in Gemeinschaften - in WGs oder im Urlaub - über Nichtigkeiten wie Putzpläne Streit gibt. Hier ist man zum Glück Zuschauer, kann sich aus sicherer Distanz fragen: Welcher Herausforderung würde ich mich stellen? Wie würde ich agieren? Was tun, wenn ich Kamelblut trinken, Kamelpenis essen sollte?

Von Mark-Christian von Busse

Den Ablauf der Prüfung sehen Sie in der Fotostrecke

Dschungelcamp: Fiona hat Aua! Ekel-Brühe und Feuertopf

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