Interview: Jazz-Trompeter Nils Wülker über seinen Aufstieg und das Hobby Klettern

Musik gehört zu seinem Leben: Nils Wülker ist erfolgreicher Jazz-Trompeter.

Glaubt man der Modezeitschrift „Vogue“, läuft Nils Wülker sogar Deutschlands erfolgreichstem Jazz-Musiker den Rang ab. Er mache Till Brönner den Ruf als bestaussehender Trompeter streitig, schrieb das Blatt. Wülker selbst lässt so etwas kalt.

Wichtig ist für ihn die Musik - und von der sind alle hin und weg, wie die Reaktionen auf sein im Herbst erschienenes Album „Just Here, Just Now“ zeigen. Wir sprachen mit dem 35-Jährigen vor seinem Auftritt am Samstag im Kasseler Theaterstübchen.

Herr Wülker, eigentlich wollten wir mit Ihnen über Ihre Musik reden, aber Sie sind ja ein mindestens so begeisterter Kletterer. Auf Ihrer privaten Facebook-Seite sieht man Sie nicht mit Trompete, sondern auf einem verschneiten Gipfel.

Nils Wülker: Die Musik kommt schon an erster Stelle, aber es stimmt: Auch Klettern ist meine Leidenschaft. Das Foto wurde auf dem fast 4000 Meter hohen La Meije in den französischen Alpen gemacht. Für den Alpenverein leite ich ehrenamtlich auch Touren. Für das Klettern ist es nur ein bisschen blöd, dass ich in Hamburg lebe.

Im Mai bekommen Sie einen Jazz-Echo als Instrumentalist des Jahres. Sind Sie jetzt ganz oben angelangt?

Wülker: Oben angelangt ist man nie. In jedem Fall habe ich eine lange Strecke hinter mir. Mit eigener Band mache ich das schon seit zehn Jahren - und hoffentlich noch weitere 30. Über meinen ersten Echo freue ich mich natürlich total.

Ihr aktuelles Album klingt etwas ruhiger und entschleunigter. Wieso haben Sie Ihren Sound verändert?

Wülker: Das Vorgängeralbum „6“ war ziemlich rockig. Das hat Spaß gemacht, aber ich wollte wieder mehr Raum schaffen für mein Instrument. Wenn es rockig ist, kann man richtig losbraten. Doch jetzt habe ich wieder mehr klangliche Ausdrucksmöglichkeiten und mehr Platz für Melodien.

Die Kasseler Band Triosence, mit der Sie auch schon aufgetreten sind, nervt es, wenn Kritiker Ihre Musik als Wohlfühl-Jazz beschreiben. Bekommen Sie ähnliche Rückmeldungen?

Wülker: Nein, es gibt jedoch sehr emotionale Reaktionen. Vielen macht meine Musik gute Laune, für andere ist sie melancholisch. Das ist die Stärke von instrumentaler Musik: Ihr Interpretationsspielraum ist sehr groß. Jeder kann sich anders in ihr wiederfinden. Im Übrigen muss Wohlfühl-Jazz nichts Schlechtes sein. Schönheit und Tiefgründigkeit widersprechen sich nicht.

Den Jazz haben Sie erst relativ spät für sich entdeckt - angeblich bei einem Austauschjahr in den USA.

Wülker: Da war ich 16 und ein durchschnittlicher jugendlicher Pop-Hörer. Weder meine Eltern noch meine Freunde haben Jazz gehört. Auf der Trompete habe ich bis dahin nur Klassik gespielt. In den USA hat mich dann die Acid-Jazz-Welle gepackt. Damals waren solche Sachen wie Herbie Hancocks „Cantaloop“ in der HipHop-Version von Us3 ein Hit. Als mir dann jemand Miles Davis vorspielte, hat es mich voll erwischt. Da habe ich gemerkt: Trompete kann auch ganz anders klingen.

Was reizt Sie so sehr an der Trompete?

Wülker: Am Anfang war ich vom Klang fasziniert. Da war das Strahlende und Heroische. Jetzt ist es immer noch der Sound - vor allem aber auch die Bandbreite des Klangs. Mit der Trompete kann man richtig losrotzen, sie kann aber auch sehr weich und dunkel klingen. Sie ist ein sehr ausdrucksstarkes Instrument, nah an der menschlichen Stimme.

- Samstag, 20 Uhr, Theaterstübchen Kassel, Jordanstraße 9. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Zur Person: Nils Wülker

Geboren: am 17. August 1977 in Bonn

Ausbildung: Klavierunterricht mit sechs, Trompetenunterricht mit zehn, Studium an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin Durchbruch: Sein Debüt „High Spirits“ (2002) war die erste Veröffentlichung eines deutschen Jazzers bei Sony

Privates: ledig, lebt in Hamburg

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.