30 Jahre RTL und Sat.1

Pro und Kontra: War das Privatfernsehen eine gute Erfindung?

Vor drei Jahrzehnten starteten die privaten TV-Sender RTL und Sat.1 - und veränderten mit Sex, Comedy und Trash das Fernsehen. Mehr Programmvielfalt, sagt HNA-Volontärin Lara Sasse, zu viel Müll, sagt HNA-Redakteur Matthias Lohr. Hier das Pro und Kontra:

RTL ist wie Atommüll

... das findet HNA-Redakteur Matthias Lohr:

Matthias Lohr

Rückblickend muss man sagen, dass Helmut Schmidt nicht übertrieben hat. 1979 warnte der SPD-Bundeskanzler vor dem Privatfernsehen, weil es „gefährlicher als die Kernenergie“ sei. 1984, kurz nach Schmidts Sturz und Helmut Kohls „geistig-moralischer Wende“, startete das Privatfernsehen.

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30 Jahre später suchen wir nun ein Endlager, in dem man all die Dinge verbuddeln könnte, mit denen uns RTL und Sat.1 verseucht haben: Krawall-Talkshows, in denen hilflose Menschen vorgeführt werden, billig produzierte Seifenopern und Scripted-Reality-Formate mit Laiendarstellern, die nur deshalb produziert werden, weil sie noch billiger sind. Schlimmer aber ist der Geist, der mit dem Privatfernsehen überall Einzug hielt.

Quote ist heute alles. Selbst die tollsten Sendungen werden abgesetzt, wenn sie nicht genügend Zuschauer finden. Manche sagen, die Privaten hätten das Fernsehen demokratisiert, weil jetzt gezeigt wird, was die Zuschauer sehen wollen. In Wirklichkeit haben sie eine Diktatur des Massengeschmacks errichtet, in der für anders Denkende kein Platz mehr ist. Das Privatfernsehen ist so gefährlich wie Atommüll. mal@hna.de

Die freie Auswahl

... sagt HNA-Volontärin Lara Sasse:

Mal ehrlich: Es ist schon spannend, den Dschungelcamp-Kandidaten beim Streiten und den Bauern bei ihrer Suche nach einer Frau zuzusehen. Andernfalls hätten die Sendungen wohl kaum so gute Quoten. Doch auch wer diese Form des Reality-TV nicht mag, muss zugeben: RTL und Sat.1 haben vieles möglich gemacht, was vorher vielleicht nicht vorstellbar gewesen wäre.

Lara Sasse

Das Fernsehen hat sich seinem Publikum gegenüber geöffnet, jeder kann teilnehmen: entweder um in Talkshows seine Meinung zu vertreten, oder um – wenn auch manchmal nur kurzzeitig – berühmt zu werden, etwa als Kandidat in einer der zahlreichen Castingshows. Oliver Pocher und Sonja Zietlow verdanken ihre Karrieren beispielsweise den Formaten des Privatfernsehens.

So wurde Pocher bei „Hans Meiser“ (RTL), Zietlow in der Sat.1-Sendung „Herz ist Trumpf“ entdeckt. Ein weiterer Vorteil ist die große Auswahl: Bei nur drei Sendern gibt es auch nur drei Programmangebote. Durch das Privatfernsehen hat nun jeder weitestgehend die Möglichkeit, das zu gucken, was er auch wirklich sehen will.

sas@hna.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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