So ist der neue "Star Wars"-Film

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Der neue "Star Wars"-Film "Das Erwachen der Macht" ist ein großartiges Kinoerlebnis. Die Kritik von HNA-Kulturredakteurin Bettina Fraschke.

Der Star-Wars-Ticker

Wir sind zu Hause“, sagt Han Solo (Harrison Ford) und betritt sein altes Raumschiff, den Millenniumfalken. Und dieses Gefühl verlängert sich in den Kinosaal hinein. Regisseur J. J. Abrams ermöglicht Freunden der „Star Wars“-Saga, sich angekommen zu fühlen in seinem Film „Das Erwachen der Macht“, der das Epos nach zehn Jahren Pause fortschreibt. Und das glückt. Die Macht erwacht wieder, der Film ist einfach großartig. Er verbeugt sich vor der ikonischen Vorlage, ist actionreich und humorvoll und er hat das Potenzial, neue Anhängerscharen zu begeistern.

Die Geschichte

Etwa 30 Jahre nach Filmteil sechs lässt ein neues autoritäres Regime die Muskeln spielen. Faschistische Uniformität und Machtdemonstrationen dieser Nachfolger des Imperiums erschüttern die Galaxie. Nischen, in denen Kreaturen jeglicher Couleur koexistieren, sind vom Unterwerfungswillen der neuen Diktatoren und ihrer gefährlichen Vernichtungswaffe bedroht. Die Rebellen sammeln sich erneut zum Widerstand.

Die Ausgangssituation

Auf dem Wüstenplaneten Jakku sammelt Rey (Daisy Ridley) Schrott aus alten Raumschiffen und verkauft ihn an einen Händler, der sie mehr schlecht als recht entlohnt. Ein kleiner Roboter, der kugelige BB-8, rollt ihr zu, er hat ein wichtiges Dokument des Widerstands bei sich, hat seine Bezugsperson verloren und ist auf der Flucht. Als dann noch Finn (John Boyega) auftaucht, der sein finsteres Soldatendasein bei den Sturmtruppen der Bösen aufgegeben hat, stiehlt Rey mit ihm auf der Müllhalde ein Schrott-Raumschiff und macht es flott. Plötzlich ist der Alltag für beide jungen Menschen für immer vorbei. Sie geraten an die vorderste Front im Kampf der Rebellen gegen die Unterdrücker.

Die Figurenanordnung

Es gibt den jungen Ehrgeizling Kylo Ren (Adam Driver), der seine Gefühle noch nicht so unter Kontrolle hat, wie er es sich wünscht, und auf der dunklen Seite der Macht ganz nach oben kommen will. Die Heldin Rey, die ihre Kraft entdeckt. Kämpfer Finn, in dem sich die Menschlichkeit so stark regt, dass er nicht länger den vorgezeichneten Weg weitergehen kann. Der mörderisch gute Pilot Poe (Oscar Isaac), der waghalsige Manöver ebenso liebt wie die Sache der Rebellen. Im Zentrum stehen junge Menschen, die ihren Weg suchen. Sie werden stark, indem sie starken Gegnern gegenüberstehen – und weil sie sich immer wieder fragen müssen, auf welcher Seite sie stehen, welchen Weg sie einschlagen wollen. Eine tolle, weise Ausgangssituation.

Einbindung der Altstars

Harrison Ford zelebriert als Han Solo seinen Haudegen-Status wie einst. Der Schmuggler spürt aber genau, wenn er der Macht begegnet. Zweimal kommt er ihr richtig nah, davon einmal lebensgefährlich. Und er sieht schnell, dass er in Rey eine kongeniale Pilotin für seinen Millenniumfalken gefunden hat.

Carrie Fisher ist als Rebellenführerin Leia noch majestätischer als früher. Sie wird vertrauensvoll mit „General“ angesprochen, vereint Klarheit und Führungskraft mit Menschlichkeit. Leia muss viel trauern in diesem Film, auch wenn ihre Sache positiv vorangetrieben wird. Am Ende erwacht sogar R2-D2 wieder, der sich aus Trauer – ja, es gibt hier einen Roboter in der Depression – selbst abgeschaltet hatte. Zur Freude des kugeligen BB-8, der einen metallenen Seelengefährten erkennt.

Das Filmgefühl

Superb. Wüste, Wälder, Schnee. Nüchterne Kommandozentrale neben Händlerständen im Schrottplatz-Look. Und die Kult-Musik von John Williams spült Sinfonisches drumherum.

Wiedererkennungseffekte

Massig vorhanden. Es gibt ein waghalsiges Flugmanöver, bei dem die X-Wings in einen schmalen Spalt des neuen Todessterns eindringen, um Schlimmstes zu verhindern. Es gibt die Idee, Schurken in eine Müllpresse zu stecken. Es gibt überraschende familiäre Verbindungen, die über einem Abgrund ausgesprochen werden. Es gibt eine Bar mit schräger Kapelle aus Wesen zwischen Blech und Schwabbel wie einst in Mos Eisley. Es gibt Darth Vaders zerstörte Maske, die hier auf unheilvolle Art angehimmelt wird.

Der Mythos

Ach so, diese Sache mit der Macht existiert wirklich? Das ist nicht nur eine Geschichte der Altvorderen? Dass J. J. Abrams und sein Autor Lawrence Kasdan die jungen Helden über diese Frage nachdenken lassen, ist ein genialer Kniff. Damit verlängern die Erfinder den Filmstoff über die Leinwand hinaus, damit bringen sie den außerfilmischen Kult um die Star-Wars-Saga ins Herz des Films hinein. Wenn sich in einer wichtigen Szene Rey in einem Flashback mitten in der Geschichte der Jedi-Ritter – aus Sicht der Zuschauer also in den alten Filmen – wiederfindet, wird die Rezeptionsgeschichte des Mythos auch visuell im neuen Film verankert.

Toll auch die weise Ratgeberin Maz Kanata (Lupita Nyong’o), die nicht wenig an Jedi-Guru Yoda erinnert und mit den lupenartigen Gläsern ihrer Motorradbrille tief ins Herz der tapferen Rey schauen kann. Maz Kanata weiß ganz genau, an wen sie das Laserschwert von Luke Skywalker weiterreichen kann.

Genre: Action

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: Fünf von fünf Sternen

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Interview mit Philosoph zum neuen "Star Wars"-Film

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