Deutschland-Premiere am Mittwoch

"Der Hobbit": Film-Kritik zum Kinostart in Kassel

Berlin/Kassel. Neun Jahre ist die Rettung von Mittelerde her. Peter Jacksons Verfilmung des Tolkien-Klassikers „Der Hobbit“ bringt die epische Märchenwelt nun zurück auf die Leinwand. Die Kritik zum Kino-Spektakel des Jahres.

Wenn auf einmal ein massiger Zwerg mit Bart und tätowierter Glatze in deiner Wohnhöhle steht und dir den gebratenen Fisch vor der Nase wegmampft, können dir schon die Gesichtszüge entgleisen.

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Bilbo Beutlin, dieser Otto Normalhobbit mit hohem Wiedererkennungspotenzial, liebt eigentlich nichts mehr als seine gefüllte Speisekammer und die Routine des aufregungslosen Alltags. Doch nun sitzen nicht nur Zwerg Dwalin, sondern bald auch die Kollegen Balin, Fili, Kili, Oin, Gloin, Bifur, Bofur, Bombur, Dori, Nori und Ori sowie ihr Anführer Thorin Eichenschild in der Wohnhöhle des Hobbits und bereiten sich auf die gefährliche Mission vor: Den Schatz wiederzuerlangen, den der Drache Smaug dem Zwergenvolk vor Jahren gestohlen hat.

Wie sie sich in Begleitung des Zauberers Gandalf auf die Reise begeben und dabei Unholde diverser Gefährlichkeitsstufen bekämpfen, das erzählt Peter Jackson in seinem Fantasy-Abenteuer „Der Hobbit - Eine unerwartete Reise“ nach dem berühmten Buch von J. R. R. Tolkien.

- Der Hobbit - Trailer 1 (Deutsch)

- Der Hobbit - Trailer 2 (Deutsch)

Der Film ist überwältigend. Visuell (fast zu) berauschend. Jackson zeigt, welches Erzählerlebnis optisch möglich ist, wenn einem quasi unbeschränkte Technik zur Verfügung steht - und man sie dramaturgisch zu nutzen weiß.

Martin Freeman spielt Bilbo Beutlin. Der Hobbit erlebt mit 13 Zwergen und Zauberer Gandalf haarsträubend-harte Abenteuer. Auf dem Foto oben allerdings ist Idylle pur im Elbenland angesagt

Die 3D-Effekte (noch verstärkt durch die neue, höhere Bildrate) sind hier keine Spielerei, sondern in ein klares visuelles Konzept eingebunden, und somit im Dienst der Geschichte. Dabei nutzt Jackson bevorzugt die Perspektive der Vertikalen für schwindelerregende Effekte: Zwerge rennen über schwankende Holzbrücken in der kathedralengroßen Höhle und klettern auf Kiefern bei der Flucht vor dem oberbösen Ork Azog. Toll.

Dass die Geschichte in 170 Minuten nicht seelenlos durchrauscht wie ein Computerspiel, liegt am Charme der Vorlage und am Erzähltalent des Regie-Berserkers Jackson, der sich nicht nur an den Effekten weidet. Parallel zur Mission der Gefährten verfolgen wir den Wandel Bilbos (überzeugend: Martin Freeman) zu einem – nun ja – passablen Kämpfer, der seinen Platz in der Gruppe erst mal finden muss.

Tolkien-Fans in Kassel

Der Hobbit: Das sagen Tolkien-Fans

Jackson liebt die Details, füllt die Leinwand mit wundervoller (neuseeländischer) Natur. Er gibt dem faszinierenden Wesen Gollum – seit dem „Herrn der Ringe“ der berühmteste Schizophrene der Filmgeschichte – viel Raum für seine fies-bemitleidenswerten Versuche, Bilbo zu besiegen und den gestohlenen Ring zurückzubekommen. Er widmet sich aber auch Nebenschauplätzen und lässt Zauberer Radagast liebevoll einen Igel kurieren. Die Elben in ihrer unendlichen Erhabenheit sind allerdings viel zu kitschig.

Dass man aus der dünnen Vorlage ein dreiteiliges Filmepos macht, mag übertrieben sein. Fans werden Teil zwei in einem Jahr trotzdem entgegenfiebern. Und wie sagt Gandalf: „Jede Geschichte verdient es, ausgeschmückt zu werden.“

Von Bettina Fraschke

Genre: Abenteuer

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: Vier von fünf Sternen

Neue Technik: Wie fühlt sich HFR an?

Für mich war es schön, aber anstrengend: Peter Jackson setzte beim Filmdreh eine neue Technik ein: HFR - Higher Frame Rate. Das bedeutet, dass 48 Bilder pro Sekunde aufgenommen wurden. Das Filmerlebnis in 3D mit dieser höheren Bildrate ist unglaublich intensiv und rückt einem nahe. Näher als andere Filme, und das hat nichts mit den Actionszenen zu tun. Es fühlt sich an, als kröchchen die Bilder unter die Haut. Man nimmt so viel auf, die Augen sehen so viele Details. Danach musste ich erst mal eine Stunde die Lider schließen. Die Guckpause war zwingend.

Von Bettina Fraschke

Rubriklistenbild: © Warner Bros.

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