Musikakademie-Dozenten zeigten ihr Können

Mit Hochspannung

Frank Gerhardt

Kassel. „Musik unserer Zeit“ ist das Motto einer Konzertwoche der Musikakademie - wobei Zeitgenossenschaft großzügig bemessen ist und bis zum Zweiten Weltkrieg zurückreicht. Allerdings hat Olivier Messiaens 1944 entstandener Klavierzyklus „Vingt regards sur l’enfant-Jésus“ nichts von seinem Reiz verloren, wie Michael Kravtchin zu Beginn des Dozentenkonzerts im Akademie-Saal mit dem elften Satz daraus eindringlich vorführte.

Dass der Komponist Leonardo Balada (78) von Klängen des technischen Zeitalters fasziniert ist - so in seiner „Steel-Symphony“ -, hindert ihn nicht daran, in seinen „Analogias“ für Gitarre von 1967 sehr instrumentenbezogen zu schreiben. Und Wolfgang Lendle zeigte in den vier Sätzen, welch glänzender Gitarrenvirtuose er ist.

Annette Töpel ließ in zwei Sätzen aus „Kapitelle“, einem Stück ihres Ehemanns, des Komponisten Michael Töpel, karge Klangbilder entstehen. Fast ekstatisch muteten dagegen die „23 Ausmessungen“ für Flöte und Klavier des Komponisten und Akademiedozenten Frank Gerhardt (45) an. Unter emotionaler Hochspannung gestalteten der Flötist Jens Josef und der Pianist Joachim Kirschner diese knappen Konstrukte mit ihren mikrotonalen und geräuschartigen Ausformungen. Eine spannende Vorgabe Frank Gerhardts, dessen Kompositionsstudenten heute und morgen in vier Konzerten ihre Werke vorstellen.

Werner Kirschbaum lieferte mit seiner Solo-Improvisation „piano-quartett“, aufbauend auf einem Bassmotiv, einen kraftvoll-spontanen Beitrag.

Ehe Jens Josef, Wolfgang Lendle und der Bratschist Raphael Luig mit dem 70er-Jahre-Avantgarde-Stück „Per suonare a tre“ von Leo Brouwer (73) einen temperamentvollen - und von den 50 Zuhörern heftig beklatschten - Schlusspunkt setzten, trat Josef als Komponist in Erscheinung: Als Uraufführung spielte Gertrud Weyhofen seine „Fantasia für Mandoline solo“, eine Hommage an Instrument und Spielerin, mit virtuosem Glanz. Foto: Fischer

Von Werner Fritsch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.