Neu im Kino: Die Romanverfilmung „Lila, Lila“ über den Literaturbetrieb

Hochstapler wird enttarnt

Unerfreuliche Begegnung: Jacky (Henry Hübchen, links) lauert bei einer Autogrammstunde dem Jungliteraten David Kern (Daniel Brühl) auf. Foto: Falcom/ nh

Wenn die Literaturstudentin Marie (Hannah Herzsprung) mit ihrer Germanisten-Clique im Café gepflegt neueste Werke deutscher Dichtkunst diskutiert, bleibt der schüchterne Kellner für sie Luft. Um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen, drückt David (Daniel Brühl) ihr in einem beherzten Moment zwischen Theke und Toilette ein Manuskript in die Hand.

Das Original hatte er durch eine glückliche Schicksalsfügung auf dem Flohmarkt in einem alten Nachttisch entdeckt. Husch, husch wurde der Roman-Entwurf aus den 50er-Jahren eingescannt, neu formatiert und ausgedruckt. Eigentlich will David mit dem Text nur seiner Angebeteten imponieren, aber die schickt das Manuskript heimlich zu einem Verlag. Bald schon hat David nicht nur Maries Herz erobert, sondern steigt auch zum Star der deutschen Literaturszene auf - bis eines Tages ein etwas verwahrloster Herr bei einer Lesung auftaucht und sich als eigentlicher Autor des Romans ausgibt.

Aber Jacky (Henry Hübchen) will nicht nur materiellen Schadensersatz, sondern schleicht sich als Schatten in Davids Hochstaplerleben ein. Mit „Lila Lila“ verfilmt der Schweizer Regisseur Alain Gsponer den Erfolgsroman von Martin Suter. Das Ende ist etwas versöhnlicher gestaltet, und die amourösen Elemente sind aufgepolstert.

Aber auch im Gewand einer romantischen Komödie funktioniert die Satire über den Literaturbetrieb. Wirklich bissig wird es jedoch weder im Roman noch im Film. Was Helmut Dietls „Rossini“ für die deutsche Filmszene war, wird Gsporners „Lila Lila“ für die hiesige Literaturbranche nie werden, auch wenn der Standesdünkel und das hinterlistige Treiben der Verleger auf der Frankfurter Buchmesse in schillernden Farben beschrieben werden.

„Lila Lila“ lebt hauptsächlich von der sympathischen Besetzung. Daniel Brühl und Hannah Herzsprung erobern erfolgreich romantisches Neuland, aber vor allem Henry Hübchen glänzt als undurchsichtige Schnorrerexistenz. Großes Kino darf man nicht erwarten, aber als nette Komödie zum vorweihnachtlichen Abspannen erfüllt „Lila Lila“ seinen unterhaltsamen Zweck.

Genre: Literaturverfilmung

Altersfreigabe: ab sechs

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

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