Das Vocalconsort Leipzig sang in Bad Wildungen Bachs sechs Motteten

In die Höhen der Sangeskunst

Gregor Meyer Foto: nh

BAD WILDUNGEN. Eine Reise zum Himalaja kündigte Kultursommer-Chefin Maren Matthes vor dem Konzert in der Bad Wildunger Stadtkirche an. Und es wurde eine Expedition in die höchsten Höhen der Kompositions- und der Chorkunst. Das Vocalconsort Leipzig sang, was sich nur wenige Chöre zutrauen, alle sechs Motetten von Johann Sebastian Bach, diese berühmten Spitzenwerke des Thomaskantors, vier- bis achtstimmig, voller Finessen, Fugen und Verschränkungen.

Das Vocalconsort, ein junger Chor von 32 hervorragenden Stimmen, acht pro Stimmlage, wurde nur von einer kleinen Continuogruppe mit Orgelpositiv, Cello und Violone (dem Vorgänger des Kontrabasses) begleitet. Der Chorleiter und Ensemblegründer Gregor Meyer dirigierte auswendig und kommunizierte über Blicke und Gesten mit seinen Sängern, die ein Höchstmaß an Konzentration bei einer sichtbaren inneren Ruhe und Freude zeigten. Meyer löste sich im Laufe des Abends mehr und mehr. Am Ende, bei der Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“, tänzelte er fast wie der Leiter einer Big Band.

Wie der Chor sang, war über weite Strecken nicht zu überbieten. Neben die selbstverständliche Beherrschung der sehr komplexen Stimmen trat eine durchdachte abwechslungsreiche Interpretation der sechs Motetten.

So ließ Meyer zum Beispiel die Fuge „Ihr aber seid nicht fleischlich“ aus „Jesu, meine Freude“ in einer gleichmäßigen Steigerung aufbauen. Die Tempi wurden hier wie überall individuell, aber immer im Dienst am Werk angegangen. Brüche gab es nie, auch keine Wackler im den hochgebirgsartigen Höhen.

Herrlich, wie die Soprane in der Lage sind, ein hohes b im Piano zu singen wie im Satz „Du bist der rechte Weg“. Die Tenöre strahlten, die Bässe perlten auch in tiefsten Lagen, alles fügte sich zu höchstem Genuss.

Den begeisterten Applaus hatte sich das Publikum bis zum Ende aufgespart. Als Zugabe gab es „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“, eine Motette, die Bach nicht eindeutig zugeschrieben werden kann.

Von Johannes Mundry

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