Anna Prohaska, neuer Stern am Opernhimmel, zeigt sich auf ihrem Debütalbum „Sirène“ als Liedgestalterin

Höhenflug einer Sopranistin

In Berlin gefeiert: Anna Prohaska als Poppea in der Händel-Oper „Agrippina“. Foto: dpa

Es ist so, als würde Lady Gaga öffentlich bekennen, beim Joggen Mozart-Arien zu hören: Anna Prohaska lässt sich beim Laufen von Heavy-Metal-Musik zudröhnen. Das überrascht, wenn man gleichzeitig sieht, mit welcher Leichtigkeit die 28-jährige gebürtige Wienerin als Poppea in der Händel-Oper „Agrippina“ barocke Arienkunst zelebriert.

Anna Prohaska, väterlicherseits Spross einer Wiener Musikerfamilie (Großvater: Dirigent, Urgroßvater: Komponist) mit englischer Mutter, ist der am hellsten leuchtende neue Stern am Opernhimmel. Schon seit fünf Jahren gehört sie zum Ensemble der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Ihre Poppea unter dem Dirigenten René Jacobs gab ihrer Karriere 2010 den entscheidenden Kick.

Inzwischen ist keineswegs mehr sicher, wer im Sommer 2012 beim starbesetzten Mozart-„Don Giovanni“ in Berlin mit Daniel Barenboim den meisten Beifall ernten wird: Anna Netrebko als Donna Anna oder Anna Prohaska als Zerlina.

Ein stimmliches Phänomen ist Anna Prohaska auf jeden Fall: Ihr leichter Sopran hat in allen Lagen Substanz und ein betörendes Timbre und fasziniert mit einer souverän strahlenden Höhe. Ihre technische Perfektion und Koloratursicherheit erwarb sie sich an der Berliner Musikhochschule.

Schon jetzt hat sie ein breites Repertoire, das vom Barock bis zur Wiener Schule und zeitgenössischer Musik reicht. In der Berliner Philharmonie wurde sie erst vor wenigen Tagen mit Stücken aus Bergs „Lulu“ gefeiert - eine ihrer künftigen Wunschpartien.

Es könnte keinen besseren Zeitpunkt für ein Plattendebüt geben. In dieser Woche ist ihre erste CD, ein Lieder-Album, bei der Deutschen Grammophon unter dem Titel „Sirène“ erschienen. Sirenengesänge finden sich vom frühbarocken John Dowland („The Mermaid’s Song“) über Bizet („La Sirène“) bis zum 20.-Jahrhundert-Komponisten Arthur Honegger („Berceuse de la Sirène“).

Besonders liegt Prohaska das französische Repertoire - die Lieder von Bizet, Fauré und Debussy singt sie farbenreich, elegant und mit dem rechten Maß an Emphase. Mendelssohns „Schilflied“ gehört, so drängend und zugleich zurückhaltend gesungen, zu den Album-Höhepunkten. Schumanns „Loreley“ und „Die Meerfee“ dagegen könnten etwas geheimnisvoller klingen. Bleibt zu erwähnen, dass Eric Schneider sich wieder einmal als ein erstklassiger Klavierbegleiter erweist.

Eine Empfehlung, auch an Heavy-Metal-Fans: Einfach mal in das Prohaska-Album reinhören.

Anna Prohaska, Eric Schneider: Sirène. Deutsche Grammophon, Wertung: !!!!!

Von Werner Fritsch

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