Grimm-Schule: „Geschlossene Gesellschaft“

Die Hölle in uns

Kassel. Wer besorgt glaubte, Chatten und Handys seien die einzigen Leidenschaften unter Jugendlichen, darf hoffen. An immer mehr Schulen wird das Theater zum Türöffner für die Auseinandersetzung mit großen Themen des Lebens. „24 spielen 42“ heißt das Stück, mit dem der Theaterkurs 12 der Jacob-Grimm-Schule bei Salzmann für ein volles Haus sorgte.

Die Inspiration lieferte Sartres Drama „Geschlossene Gesellschaft“. Schwerer Tobak für Sinnsucher mit positiver Einstellung, denn wie heißt es als Fazit: „Die Hölle ist kein Ort. Die Hölle, das sind die anderen.“ Mit beeindruckender Hingabe agierten die Darsteller. Dass es 24 waren und die drei Protagonisten aus Sartres Stück in zwölf Rollen aufgesplittet wurden, dürfte für Leiterin M. João Ventura eine besondere Aufgabe gewesen sein. Die Inszenierung punktete damit.

Sartres Stück, in dem drei Menschen nach ihrem Tod ihrer Schuld gegenüberstehen, als Gruppenarbeit zu erleben, Texte mal als Chor, mal aus beständig wechselnden jungen Gesichtern zu vernehmen, hatte besondere Ausstrahlung. In Gruppen aufgeteilt – in einer symbolischen Hölle, auf der Erde – wurden die quälenden Fragen nach der Existenz zum Wechselspiel zwischen „Anwesenden“ und „Abwesenden“.

Originell und doppeldeutig zugleich, dass die Gruppe in der Hölle in unschuldiges Weiß gewandet auf ein wolkenähnliches Kissenlager gebettet war. Auch skurril-exzentrische „Per Anhalter durch die Galaxis“-Protagonisten mischten mit. Lob für die fantasievolle Inszenierung. Einzige Kritik: die Aussprache. Nicht selten zu leise, nicht selten etwas genuschelt. Viel Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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