Hören, was man sieht: Albert Cüppers' Bilderzyklen

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Musikalische Inspiration: Bild aus dem „Turangalia-Zyklus“ (links) und aus dem „Dante-Zyklus“ (rechts).

Kassel. Dass Musik und Malerei wechselweise in Beziehung zueinander stehen (können), wird schon an den gleichen Begrifflichkeiten deutlich: Komposition, Harmonie, Disharmonie, Tonwert, Akkord, Farbakkord. Klingt Malerei? Lässt sich mit Tönen malen?

Albert Cüppers (80), emeritierter Professor am Fachbereich Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung der Universität Kassel, zeigt fünf seiner Bilderzyklen, die überwiegend in Auseinandersetzung mit dem Komponisten Oliver Messiaen (1908-1992) entstanden sind. Messiaen nannte sich selbst einen Synästhetiker, der bei Klängen Farben sah und bei Farben Klänge hörte.

Cüppers ist kein Action-Painter, bei dem sich die Inspiration durch die Musik sofort als gestische Farb-Energie auf die Leinwand überträgt. Seine Malerei ist so durchdacht wie die tief vom katholischen Glauben geprägte Musik des großen französischen Komponisten. Was liegt also näher, als Cüppers’ serielle Gemäldezyklen ihrerseits in einem Kirchenraum zu zeigen? In der Alten Brüderkirche entfalten sie eine beeindruckende, still-erhabene Wirkung. Man möchte fast sagen, Cüppers ist ein ähnlich ernsthafter Komponist wie seine musikalische Inspirationsquelle. Er beschränkt sich auf wenige Grundformen, variiert sie, bricht sie auf, ergänzt und erweitert sie zu einem ständigen Fluss aus Formen und Farben.

Nichts ist dem Zufall überlassen, es wirkt streng, aber zugleich geht von diesen malerischen Notationen durch ihre meist lichte Farbigkeit große Leichtigkeit und Leuchtkraft aus. Vielleicht könnte man Cüppers als künstlerischen Baumeister der musikalischen Formenwelt Messiaens bezeichnen, womit denn auch die Verbindung zur Architektur wieder hergestellt wäre. Wie auch immer: Wer noch nie ein Orchester- oder Orgelwerk von Messiaen gehört hat, wird neugierig darauf, wenn er Cüppers’ Bildzyklen auf sich wirken lässt: Man möchte hören, was man dort sieht.

Bis 1. August, Alte Brüderkirche, Di bis So, 11 bis 19 Uhr.

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