Auch Tenor Vogt kann Kasper Holtens „Lohengrin“ nicht retten

Heldisch helle Stimme: Klaus Florian Vogt als Lohengrin. Foto: dpa

Berlin. Musste das sein? Gerade hat der Schwanenritter Friedrich von Telramund mit dem Schwert niedergestreckt, da trägt Elsa den toten Gottfried herein. „Seht da den Herzog von Brabant, zum Führer sei er euch ernannt“, kommentiert Lohengrin.

Als ob dieser dazu noch fähig wäre. Eigentlich sollte der Gralsritter mit den lächerlichen Schwanenflügeln jetzt rasch das Weite suchen, doch in Kasper Holtens düsterer Inszenierung um den fragwürdigen Heilsbringer scheint er bleiben zu wollen, die Faust zum Gruße reckend.

Alles Märchen- und Parabelhafte verbannt der dänische Regisseur, derzeit Intendant des Londoner Covent Garden. Stattdessen rückt der Krieg ins Zentrum. Tote Soldaten liegen bereits zum Vorspiel auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin. Dazwischen gibt es nichts als Rampensingen.

Die graue Einheitsbühne von Steffen Aarfing verdient eine Auszeichnung für besondere Hässlichkeit. Wobei das wohl auch am Diktum des Regisseurs liegen mag, der Wagners romantische Oper nach eigenen Angaben „irgendwo zwischen Twin Peaks und Anselm Kiefer“ ansiedelt.

Den Schwanenritter sieht Holten als zynischen Helden. Klaus Florian Vogt, in der Premiere eingesprungen für Marco Jentzsch, ist mit seiner großen, heldisch hellen Stimme der Draufgänger. Zur Trauung öffnet sich ein roter Vorhang, das Theater auf dem Theater symbolisierend. Ein Kunstgriff, der längst überstrapaziert wirkt. Der rote Theater-Samt bleibt bis zum bitteren Ende. Höhepunkt der geheimnislosen Auslegung, die die Oper als Nationalismusfeier, Kriegsritual und Requiem für die Opfer begreift, ist im Schlussakt der Wandel des Bettes zum Grabmal. Platt und uninspiriert.

Donald Runnicles dirigiert, passend zum Pathos auf der Bühne, bombastisch wie zum Reichsparteitag. Mehr als 80 Choristen an der Rampe und Trompeter im Zuschauerraum verstärken das Gefühl, einen Hörschaden zu erleiden. Der schreiende Heerrufer des Königs, Bastiaan Everink, Gordon Hawkins als Friedrich von Telramund, sie alle geben Gas nach Kräften. Nur Ricarda Merbeths Elsa kann nicht ganz mithalten.

Nächste Vorstellungen: heute sowie 22., 25., 28. April und 1. Mai. Karten unter 030-34384343, www.deutscheoperberlin.de

Von Andrea Hilgenstock

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