Neue Sendung im Hauptprogramm

Der Hoffnungsträger des ZDF: Komiker Jan Böhmermann

Die Gesichter des Jan Böhmermann: Mit seinem Show-Kollegen William Cohn stellte er nach einem Urheberrechtsstreit das historische Foto des vollgepinkelten Nazis aus Rostock-Lichtenhagen nach (von links). Für das „Zeit“-Magazin ließ er sich mit einem XXL-Hintern wie dem des It-Girls Kim Kardashian ablichten. Und auch über die Werbung seines Arbeitgebers („Mit dem Zweiten sieht man besser“) hat sich Böhmermann schon lustig gemacht. Fotos: Twitter/zdf

Er hat Lukas Podolski imitiert, eine Talkshow moderiert und ist die große Hoffnung des ZDF: Nun startet die neue Staffel von Jan Böhmermanns "Neo Magazin" - im Hauptprogramm.

Bislang trieb Jan Böhmermann seine Späße im Digitalkanal ZDFneo vor einem Nischenpublikum, nun läuft sein „Neo Magazin“ donnerstags (22.15 Uhr) nicht nur dort, sondern auch jeden Freitag (0 Uhr) im Hauptprogramm. Wir stellen den Mann vor, der das ZDF retten soll.

DER MODERATOR 

Ab jetzt muss sich Markus Lanz warm anziehen. Kurz vor dem Start der neuen Staffel seiner Show, die nun „Neo Magazin Royale“ heißt, sagt Jan Böhmermann uns am Telefon: „Ich könnte mir vorstellen, Markus Lanz zu beerben.“ Der 33-Jährige meint das ironisch, er meint fast alles ironisch. Den Zynismus hat er sich bei Harald Schmidt abgeschaut, in dessen Late-Night-Ensemble er bekannt wurde. Aber so wie Schmidt einst als Moderator von „Verstehen Sie Spaß?“ scheiterte, wird Böhmermann nie ein Lanz-Gesicht für alle werden. Trotzdem ist sein Humor mit das Spannendste im deutschen Fernsehen.

Sein Talent bewies der gebürtige Bremer bereits 2005, als er für das WDR-Radio 1Live arbeitete und den Kölner Fußballer Lukas Podolski imitierte mit Sätzen wie: „Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel.“ Bis heute glauben manche, er stamme tatsächlich von Poldi.

Zuvor hatte Böhmermann, der mit 17 mitansehen musste, wie sein Vater an Leukämie starb, für eine Bremer Lokalzeitung gearbeitet und in Köln ein Studium angefangen und abgebrochen. Mehr verrät der Familienvater über sich nicht. Auch über das Ende der erfolgreichen Talkshow „Roche & Böhmermann“ schweigt er.

DIE SHOW 

Im „Neo Magazin“ legt sich Böhmermann mit allen an, vor allem mit den Großen: „Bild“-Chef Kai Diekmann, den Fans der „singenden Sagrotan-Flasche Helene Fischer“ und Campino. In einem eindrucksvollen Beitrag zeigte der Moderator, dass das Ebola-Hilfsprojekt des Toten-Hosen-Sängers vielleicht doch nicht so toll ist. Daraufhin bekam er viel Hasspost, aus der er eine Woche später einen Rap-Track machte, in dem er sich selbst disste. Herrlich.

Am Show-Konzept soll sich nichts ändern. Es gibt ein größeres Studio, Böhmermann muss sich seine Anzüge nicht mehr selbst kaufen. Und mit dem Rapper Dendemann hat er nun einen musikalischen Direktor samt Band im Studio.

DAS ZDF 

Eine Quotenvorgabe des ZDF gibt es auch für den neuen Sendeplatz nicht. Wieso auch? Um Mitternacht schaut ohnehin keiner mehr fern. Das „Neo Magazin“ wird vor allem im Netz geschaut, wo es bereits donnerstags ab acht abrufbar ist. Eben deswegen ist Böhmermann so wichtig für das ZDF, dessen durchschnittlicher Zuschauer 61 Jahre ist. Die letzten jungen Helden, die der Sender hatte, waren Joko und Klaas. Die Mainzer haben sich nicht groß um sie gekümmert. Heute sind sie bei Pro 7.

DAS TEAM 

Böhmermann wird gern als größenwahnsinnig und arrogant beschrieben, aber das ist erst einmal nur die Figur, die er an seinem Schreibtisch spielt. Er selbst nennt sich einen Außenseiter. Wie er wirklich ist, wissen die Mitarbeiter der Bild- und Tonfabrik, die das „Neo Magazin“ produzieren. Das sind ehemalige Kunststudenten, denen man die Freude am Fernsehen in jedem Beitrag ansieht. Mit ihnen wird Böhmermann nach der Ausgabe heute anstoßen - nicht mit Alkohol, er trinkt nämlich partout keinen, sondern mit „Curry-Ingwer-Suppe“, wie er sagt.

Von Matthias Lohr

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