„Hohes Maß an Selbstzerstörung“: Regisseur Darren Aronofsky über seinen Ballett-Schocker „Black Swan“

Einsamkeit: Natalie Portman als Tänzerin Nina im Film „Black Swan“. Fotos:  Fox

In seinem Film „Black Swan“, der als Oscarkandidat gehandelt wird, porträtiert Regisseur Darren Aronofsky die ehrgeizige Balletttänzerin Nina (Natalie Portman), die für ihre Rolle als Primaballerina in „Schwanensee“ die dunklen Seiten ihrer Seele entdecken soll.

Trotz Ihres Erfolges mit „The Wrestler“ wäre Ihr neuer Film „Black Swan“ fast an der Finanzierung gescheitert.

Darren Aronofsky: Es ist gerade eine sehr harte Zeit für Independent-Filme in den USA. Es gibt nur wenige Geldgeber, die sich auf Experimente einlassen. Die Studios stecken ihr Geld nur in Filme wie „The Tourist“, die sicher ihren Gewinn einfahren. Wenn man etwas außerhalb des üblichen Rahmens machen will, bekommen die Finanziers kalte Füße. Dabei ist „Black Swan“ an den amerikanischen Kinokassen ja gerade deshalb so erfolgreich, weil er sich vom Mainstream abhebt.

Wie sind Sie auf die Verbindung von Ballett- und Horrorfilm gekommen?

Aronofsky: Die Verbindung wirkt zunächst ungewöhnlich. Aber wenn man sich Ballett-Stücke wie „Schwanensee“ oder „Dornröschen“ anschaut, sind das oft sehr tragische Geschichten, die ihren Ursprung in der Welt der Märchen haben. In der Vorbereitung habe ich mich mit einer Primaballerina getroffen, die mir alles über „Schwanensee“ erzählt hat. Sie hat mir die Tänze der Schwanenkönigin gezeigt und gesagt, dass sie am Tag durch einen Fluch als Schwan leben muss und in der Nacht eine Mischung aus Schwan und Mensch ist. Da habe ich sofort an einen Werwolf-Film gedacht und wusste, dass es in meinem Film auch um eine biologische Transformation gehen musste. Ich wollte die Sinnlichkeit des Balletts mit einzelnen Elementen des Horrorfilms zu mischen.

Ähnlich wie der Catcher in „The Wrestler“ geht auch die Tänzerin Nina mit ihrer Ambition bis an die Grenzen der Selbstzerstörung.

Aronofsky: Ballett erfordert eine große physische Anstrengung und ein hohes Maß an Selbstzerstörung. Mich hat der Kontrast interessiert zwischen der Schönheit, die die Tänzerinnen auf der Bühne verkörpern, und dem Schmerz, den sie erleiden, um zu dieser Schönheit zu gelangen.

Sind Mickey Rourke und Natalie Portman auf ähnliche Weise an ihre selbstzerstörerischen Rollen herangegangen?

Aronofsky: Nein, Mickey Rourke musste man immer antreiben. Natalie Portman braucht man nur die Tür zu öffnen, und dann kommt sie allein zurecht. Ein Jahr lang acht Stunden am Tag hat sie trainiert, um als Tänzerin vor der Kamera zu bestehen.

Im Film ist der Choreograf und Leiter des Balletts ein äußerst manipulativer Charakter. Sind Sie auch manipulativ?

Aronofsky: Nein, ich bin immer sehr ehrlich zu den Schauspielern und erzähle ihnen genau, was auf sie zukommt. In der Welt des Balletts können die Choreografen sehr viel manipulativer sein, weil die Tänzer nicht die gleiche Macht haben wie die Schauspieler beim Film.

Wie wurde Ihr Film in der Ballett-Szene aufgenommen?

Aronofsky: Sehr positiv. Im Kino wird die Welt des Balletts oft nur als Hintergrund für eine romantische Geschichte benutzt. „Black Swan“ hingegen nimmt sich der Welt des Tanzes auf eine künstlerische Art an. Außerdem bin ich fest davon überzeugt, dass unser Film das Ansehen dieser Kunstform steigern wird, weil wir genau zeigen, welche Anstrengung im Ballett steckt.

Ist Filmemachen eine ähnlich selbstzerstörerische Angelegenheit?

Aronofsky: Als Filmemacher verbringt man die meiste Zeit mit bürokratischen Tätigkeiten wie Geldauftreiben, Termine und Drehpläne. Um sich da durchzuschlagen, braucht man wiederum eine gehörige Portion Leidenschaft.

Zahlt sich diese Leidenschaft für einen Regisseur finanziell aus, wenn ein Film wie „Black Swan“ erfolgreich ist?

Aronofsky: Wenn die Studios merken, dass ein Regisseur den Film unbedingt machen will, kürzen sie zuerst sein Honorar.

Zur Person

Nach seinem Debütfilm „Pi“ (1998) über einen Mathematiker wurde Regisseur Darren Aronofsky (41, aus Brooklyn, hat ein Kind aus einer früheren Beziehung) als Nachwuchsgenie des amerikanischen Independent-Films gefeiert. Für „The Wrestler“ mit Mickey Rourke wurde er 2008 in Venedig mit dem „Goldenen Löwen“ ausgezeichnet. Weitere Filme: „Requiem for a Dream“, „The Fountain“.

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