Holbein ist ein Knüller: Literaturpreis für nordhessischen Autor

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Trägt den Schalk im Nacken: Ulrich Holbein mit Partnerin Viera Janárceková. Die Neue-Musik-Komponistin schrieb für die Preisverleihung „Tango-Mutanten für Quetschkommode und kleine Bassgeige“.

Kassel. Über Humor lässt sich streiten, aber in einer Disziplin hat Ulrich Holbein am Samstag eine Bestmarke aufgestellt, an der erst einmal nicht zu rütteln sein wird. Als erster Nordhesse bekam der Schriftsteller aus Allmuthshausen im Schwalm-Eder-Kreis den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor.

Der 59-Jährige übertraf sogar die Humor-Größen Loriot, Robert Gernhardt und Gerhard Polt: Noch nie gab es in der 27-jährigen Geschichte des Preises einen so großen Andrang.

„Das ist die am besten besuchte Preisverleihung“, sagte Friedrich Block, Geschäftsführer der Stiftung Brückner-Kühner. Mehr als 400 Gäste hatten sich angemeldet für die Veranstaltung im Stadtverordnetensitzungssaal des Rathauses. Unter ihnen waren viele Weggefährten des Preisträgers, der in Kassel aufgewachsen ist. Holbein entdeckte Klassenkameraden, die er Jahrzehnte lang nicht gesehen hatte, seinen Hausarzt und sogar „meine Kindergärtnerin“.

Sie alle haben den Schriftsteller begleitet, der fast 1000 Publikationen veröffentlicht hat und in seiner Hütte im Knüllgebirge gerade an vier Büchern gleichzeitig arbeitet. Wirklich kennen tun ihn jedoch nur die allerwenigsten, wie Holbein in seiner Dankesrede zugab. Denn: „Ich bin anders als alle, die anders als andere sind.“

Seine Besonderheit hatte zuvor auch Oberbürgermeister Bertram Hilgen gewürdigt: „Er trägt das Weltwissen zentnerweise mit sich herum. Auch wenn man es ihm auf den ersten Blick nicht ansieht.“ Überhaupt gibt der selbst erannte „Öko-Dandy“, der wie ein Hippie aussieht, ein schräges Bild ab. Als er aus seinem Mammutwerk „Narratorium“ las, tat er dies mit einer sanften Gute-Nacht-Geschichten-Stimme für Kinder und stand dabei schräg am Rednerpult.

Komplett gaga war die Laudatio des Ästhetik-Professors Bazon Brock, der zunächst altväterlich die Begründungen des Stiftungsrates als humorlos kritisierte und dann eine gefühlte Ewigkeit über die Normativität des Kontrafaktischen redete. Man fühlte sich an die legendäre „Hurz“-Performace des Komikers Hape Kerkeling erinnert, bei der man auch nur Bahnhof verstand. Am Ende würdigte der Philosoph den Preisträger als „den letzten lebenden großen Nietzschianer“.

Man kann es auch anders sagen: Für den Kölner Germanisten und Vorsitzenden des Stiftungsrates, Walter Pape, ist Holbein, der Mann aus dem Knüll, „ein Knüller“.

Foto-Collagen von Ulrich Holbein sind bis 23. März in der Karl-Branner-Halle im Kasseler Rathaus zu sehen.

Von Matthias Lohr

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