Holbein-Madonna geht: Unternehmer hat Gemälde vom Fürstenhaus Hessen gekauft 

Auftragsarbeit aus dem Jahr1526: Das Bild Holbeins zeigt die Familie des Baseler Bankiers und Bürgermeisters Jakob Meyer zum Hasen unter dem Schutzmantel der Muttergottes. Foto:  dpa

Frankfurt. Wer die Holbein-Madonna noch in Frankfurt sehen will, sollte sich beeilen: Nur noch bis zum 24. Juli wird das Gemälde von Hans Holbein dem Jüngeren (1497 - 1543) im Städel in der Ausstellung „Die Chronologie der Bilder“ zu sehen sein.

Dann tritt es seine Reise nach Schwäbisch-Hall an, wo der Unternehmer Reinhold Würth mit der Johanniterhalle ein eigenes Museum für Alte Meister unterhält. Denn Würth, bedeutender Kunstsammler, der sein Geld vom baden-württembergischen Künzelsau aus weltweit mit Schrauben verdient, hat den jahrelangen Verhandlungspoker mit der Erbengemeinschaft des Fürstenhauses Hessen für sich entschieden. Der Versuch von Städel-Direktor Max Hollein, das bedeutendste Renaissance-Gemälde nördlich der Alpen für Hessen zu retten, ist letztlich gescheitert. Das Konsortium, zu dem außerdem Kulturstiftungen, die Städte Frankfurt und Darmstadt sowie das Land Hessen gehörten, konnte nicht mehr als 40 Millionen Euro bieten.

Schwer zu vermitteln

Zehn Millionen davon wollte seinerzeit Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) nach Rücksprache mit allen Fraktionschefs im Landtag beisteuern, um die Madonna in Hessen zu halten; eine Summe, die manchen Bürgern ohnehin schon schwer vermittelbar gewesen wäre in Zeiten, in denen alle sparen sollen. Zu einem gemeinsamen Erwerb mit Würth kam es auch nicht.

Schon 2009 wurde kolportiert, dass ein Privater bereit sei, 60 Millionen zu zahlen. Wie viel Würth nun tatsächlich ausgegeben hat, wird nicht angegeben.

Auf dem internationalen Kunstmarkt wäre das Gemälde sehr viel höher gehandelt worden. Da es zu den nationalen Kulturgütern gehört, darf es aber nicht außerhalb Deutschlands verkauft werden.

Für die Erben, deren Hausstiftung für die Kulturgüter des hessischen Fürstenhauses demnächst wieder Erbersatzsteuer zahlen muss, war letztlich wohl das höhere Gebot Würths entscheidend: 43 Prozent fließen in die von Moritz Prinz von Hessen und seinem Sohn Donatus geführte Hessische Hausstiftung, 57 Prozent an die Erben selbst.

Bevor die Holbein-Madonna 2003 als Dauerleihgabe ins Städel kam, war sie in Darmstadt zu sehen. Ursprünglich hatte Prinz Wilhelm von Preußen sie 1822 erworben als Geschenk für seine Frau, Prinzessin Marianne von Hessen-Homburg. Kunsthistoriker vergleichen das Bild mit der in Dresden beheimateten Sixtinischen Madonna von Raffael.

Trost für die enttäuschten Hessen: Würth hat zugesagt, Frankfurt und Darmstadt als Leihnehmer zu bevorzugen.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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