Comedy-Altmeister sorgte in Kassel für ein spritziges Vergnügen

Holdrio, das darf nur Otto!

Bespritzt sein Publikum: Otto Waalkes beim Auftritt in Kassel. Foto: Schachtschneider

Kassel. Zum Schieflachen: Comedy-Altmeister Otto Waalkes sorgte in Kassels Stadthalle für ein spritziges Vergnügen.

Mit 20 Jahren hat er zum ersten Mal geküsst und davor nur rumgebumst, sagt Otto Waalkes und die Zuschauer in der Kasseler Stadthalle lachen sich am Dienstagabend schief. Schon bei der Begrüßung ist klar, der 68-Jährige ist mit seinem neuen Programm „Holdrio again“ handfest wie eh und je: Er hält sich weiße Fahnen vor den Schritt und heißt Menschen aus Wilhelmshöhe (Schwenk nach oben) und Kleinkalden (die Fahne ist winzig) willkommen. Dann gibt der Ostfriese Englischunterricht. Seine Übersetzung für Windows ist Blähungen. Download sei das Wort für Durchfall und Upload für Verstopfung. Prusten, Lacher, donnernder Applaus. Kein Zweifel: Sind die Witze auch platt, der Comedy-Altmeister hat vom Sechsjährigen bis zum Senior alle fest im Griff. Wir prüfen, was die Buchstaben seines Namens darüber verraten, warum das so seit über 50 Jahren nur Otto gelingt.

Ohne Hemmungen: Ob er nun statt Liebesliedern lieber etwas Versautes von sich gibt, seine Mütze abzieht und seine Glatze, die immer mehr Raum greift („zusätzliche Werbefläche“), zum Vorschein kommt, oder ob er kurz mit freiem Oberkörper vor seinem Publikum steht: Otto hat keine Hemmungen, steht auch zu seinem Alter.

Temperament: Er flitzt im typischen Otto-Gang über die Bühne - von der Otto-Bäckerei zum Stehpult, zum Mikrofon in der Bühnenmitte, zum „Otto-Hus“ und in den Leuchtturm, in dem er mit einem Ottifanten und der Handpuppe „Sid“ spielt. Dem Faultier aus dem Zeichentrickfilm „Ice Age“ hatte er die Stimme geliehen. Und: Er liefert Pointen am laufenden Band. Doch selbst, wenn er sein Publikum mit Wasser bespritzt, mit Mehl bestäubt oder mit Blumenkohl und Ei bewirft, ihm nimmt das niemand in der ausverkauften „Townhell“ übel. Er darf das! Auch wenn das Publikum in der ersten Reihe gedanklich wohl schon nach fünf Minuten die Waschmaschine angeschmissen hat. Trotz Blödelei (Ein Tier mit einer halben Pobacke? Ein halbes Hähnchen) gelingt es ihm mit neckischem Grinsen, respektvoll zu bleiben - eine Kunst.

Takt: Waalkes ist auch Musiker. Wie im Bierzelt muss er die Songs mit der Gitarre nur anstimmen, die Menge sorgt textsicher für den Rest. Er spielt Songs von Herbert Grönemeyer, Cro, Andreas Bourani und DJ Ötzi an und minutenlang erklingt der Otto-Chor. Er gibt sich überrascht: „Am Ende muss ich noch Eintritt zahlen.“

Otto-Nostalgie: Vieles kennt man und wartet wie bei einem großen Hit darauf, dass der Star ihn endlich spielt. „Dänen lügen nicht“ ist so ein Klassiker. Und auch „Hänsel und Gretel“, den Song gibt es in einer neuen Version - „auf Sirene Fischers Lied Atemlos“ und auch Max Giesingers Lied „Wenn sie tanzt“ landet im Hexenwald: „Wenn sie backt, ist sie so anders“. Otto geht mit der Zeit, lässt Sentimentalität zu und schafft neue Erinnerungen. Sein Versprechen, wiederzukommen, darf man ernst nehmen - er wirkt spritziger, als beim 50-jährigen Bühnenjubiläum vor rund zwei Jahren. Also: Holdrio again!

"Holdrio again": Otto in der Kasseler Stadthalle

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