Die Deutsche Grammophon feiert Anne-Sophie Mutters 35-jähriges Bühnenjubiläum mit einer grandiosen Edition

Hommage an eine große Geigerin

Anfang der 70er-Jahre in einer Schulaula im südbadischen Lörrach: Ein neunjähriges, etwas pummeliges Mädchen stellt sich beim Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ hin und geigt ein Paganini-Bravourstück, dass dem Publikum Hören und Sehen vergeht. Es war einer der ersten Auftritte des späteren Geigen-Superstars Anne-Sophie Mutter.

Als offiziellen Startpunkt ihrer Karriere betrachtet die 48-Jährige heute ihren Auftritt 1976 als Dreizehnjährige bei den Luzerner Festwochen. Das ist 35 Jahre her, und die Deutsche Grammophon (DG) ehrt die Künstlerin aus diesem Anlass in einer noch nie da gewesenen Weise.

„ASM35 - The Complete Musician“ ist das international vermarktbare Kürzel für diese Aktion, die aus einer 40 CDs umfassenden Retrospektive aller DG-Aufnahmen inklusive zweier Neuerscheinungen und einem 300-seitigen Buch in limitierter Auflage besteht. Außerdem erscheint in wenigen Tagen als einzelne CD das Album „Lichtes Spiel/Time Machines“ mit Ersteinspielungen der so betitelten Kompositionen von Wolfgang Rihm und Sebastian Currier (und eines Duos von Krzysztof Penderecki), begleitet von den New Yorker Philharmonikern und Alan Gilbert.

Der Anlass für diese Hommage ist gesucht - 35 Jahre sind kein „echtes“ Jubiläum. Verdient ist sie dennoch. Von Mutters erster Platte mit Herbert von Karajan, einer Mozart-Einspielung, bis zu den jüngsten Aufnahmen wird die Geschichte einer unglaublichen künstlerischen Reifung nachgezeichnet. Zu der anfangs schon vorhandenen geigerischen Perfektion tritt immer mehr die souveräne Gestaltungskraft einer Ausnahmemusikerin. Der Titel „The Complete Musician“ - die vollkommene Musikerin - hat hier seine Berechtigung,

Nicht nur wegen Anne-Sophie Mutters sehr individueller Ausdruckskraft, sondern auch wegen ihres umfassenden geigerischen Repertoires - eher ungewöhnlich in Zeiten, da sich immer mehr Spezialisten für Barock oder für Neue Musik in der Szene tummeln.

Insbesondere ihr Einsatz für zeitgenössische Kompositionen - nicht selten ihr persönlich gewidmet! - ist bemerkenswert. So beispielsweise für Wolfgang Rihms neue Komposition für Violine und Orchester „Lichtes Spiel“, die den Untertitel „Ein Sommerstück“ zu Recht trägt. Dieses farbig schillernde, originelle Stück mit seinen intensiven Solopassagen lohnt allein den Kauf des Albums. Und wer die Violinkunst der Anne-Sophie Mutter mit dem klassisch-romantischen Repertoire genießen will, kann auch zum in dieser Woche erscheinenden Best-of-Doppelalbum mit den Konzert-Hits unter anderem von Vivaldi, Mozart und Mendelssohn greifen. • Anne-Sophie Mutter: The Complete Musician - Sämtliche DG-Aufnahmen, 40-CD-Box mit Begleitbuch (limitierte Auflage), ca. 210 Euro. Daraus Doppelalbum „Highlights“, ca. 24 Euro • The Best of Anne-Sophie Mutter, 2 CDs, ca. 16 Euro. • Anne-Sophie Mutter: Lichtes Spiel/Time Machines, CD, ca. 16 Euro. Wertung: !!!!!***

Von Werner Fritsch

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