Homöopath als Monster: Cartoonist Piero Masztalerz in der Caricatura

... und ein böser Arzt-Witz. Fotos: Caricatura

Kassel. Als Piero Masztalerz ein Junge war, schleppte ihn seine Mutter zum Kinderarzt. Ihr Sohn zeichne am liebsten Monster und Zombies, „Hauptsache viel Blut und Splatter“. Der Arzt prophezeite: Das gibt sich. Er hatte, so sagt es der 43-Jährige, „wie so viele seiner Kollegen unrecht. Ich zeichne immer noch gerne Monster und Zombies. Nur sehen sie jetzt aus wie Lehrer, Homöopathen und Nachbarn.“

Die Caricatura in Kassel widmet dem gebürtigen Lübecker nun eine erste, üppige und freche Einzelausstellung. „Weil es an der Zeit ist“, sagt der Geschäftsführer der Galerie für komische Kunst im Kulturbahnhof, Martin Sonntag. Er schätzt an Masztalerz seine klare, deutliche Bildsprache mit hohem Wiedererkennungswert: „Er ist sehr derbe und direkt.“ Markenzeichen: Falsche Körperproportionen, wulstige Lippen.

Masztalerz ist oft sehr komisch. Vor seinem mitunter ziemlich bösen Anarcho-Witz ist niemand gefeit, er nimmt Ärzte, Geistliche und Esoterik-Gläubige gleichermaßen auf den Arm, das Spektrum reicht von Brustvergrößerungen und Burkas über Bahnverspätungen bis zu Billigfliegern. Masztalerz’ Kollege Oli Hilbring nennt ihn in einem schönen Filmporträt von Tom Häussler, das in der Ausstellung zu sehen ist, den „Pornostar unter den Cartoonisten“, weil er „die Hosen runterlässt“, wie sich das sonst niemand traue. Masztalerz wehrt sich gegen den Eindruck, er würde „nur Penisse zeigen“ (die es aber auch gibt, und nicht zu knapp), er attackiere Menschen, die die einfachen und bequemen Wahrheiten suchen, alles, „was heiße Luft ist, oder geschütteltes Wasser“. Womit er wieder bei den Homöopathen ist. Oder beim Protagonisten „Herr Ahlers“ aus seiner NDR-Animationsserie „Frühstück bei Stefanie“, den Masztalerz so beschreibt: „Besitzt den überzeugenden Brustton eines ehemaligen Prokuristen einer mittelständischen Speditionsfirma, die er selber in den Konkurs führte.“

Brutal und charmant gleichermaßen seien Masztalerz-Figuren, sagt Cartoonist Til Mette. Das sieht dann so aus: Hält ein Friseur ein blutiges Ohr in der Hand. „30 Jahre hab ich mich gefragt, was wohl passiert. Heute hab ich’s einfach mal gemacht.“

Bis 27.4., Di bis Fr 14-20, Sa/So 12 bis 20 Uhr. Führungen So 15 Uhr. www.caricatura.de

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