„Horizontal“ im Südflügel: Künstler erkunden den Boden

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Farbenfrohes Entree: Die Teppiche am Eingang zum Saal im Südflügel zeigen Kaugummiabdrücke vom Bahnhofsvorplatz. Eine Idee von Ute Mescher und Jürgen O. Olbrich.

Kassel. Ein Raum wird in Besitz genommen. Sondiert, wie er sich für die Präsentation von Kunst eignet: Alle sechs Arbeiten, die derzeit in der Schau „Horizontal“ im Südflügel zu sehen sind, setzen sich mit dem Boden auseinander.

Im Saal sollen künftig mehrmals im Jahr Kasseler Künstler ausstellen. So plant es das Projektteam „387 Quadratmeter“, das sich die Reihe „Horizontal - Diagonal - Vertikal“ ausgedacht hat. Nach der Fläche folgen Volumen und Wände als weitere Themen.

387 Quadratmeter bilden also den Boden der Tatsachen für die sieben Künstler, die Dimensionen, innerhalb derer sie ihre Werke anordneten. Drei waren bereits bei Examensausstellungen zu sehen: Hatice Çöklü hat 1000 Mausefallen aufgebaut, in der Mitte liegt unerreichbar ein 500-Euro-Schein. „Das Brot liegt im Rachen des Löwen“, heißt ihre Arbeit, die zahlreiche türkische Sprichwörter aufgreift. Jea Yun Lees 10 000-fach nachgeformte, aufgereihte Keramikfinger wuchern in den Raum wie Kati Lieberts Fliesen mit Ornamenten. Beide erobern potenziell unbegrenzt, unabschließbar, die Fläche.

Anders geht Lutz Kirchner vor. Er hat die markante Wand an der Rückseite aus Beton nachgebaut, „gekippt“ und mit dem Kompass nach Süden ausgerichtet. Eine originelle Raumbestimmung.

Die Kuratoren stellen ein breites Künstler-Spektrum vor. Kunsthochschul-Student René Wagner, dessen aufgerolltes Parkett beim Rundgang aufgefallen war, nutzt für „Die Verzweiflung des Fußbodenlegers“ widerspenstiges Laminat. Das erfahrene Künstlerduo Ute Mescher und Jürgen O. Olbrich hat vergrößerte Kaugummiabdrücke vom Bahnhofsvorplatz als Vorlage für fünf bunte Fußmatten genommen, die aussehen wie Landkarten fiktiver Staaten. Spuren, die Menschen unbewusst hinterlassen, werden zur Topografie des Alltags, Allerweltsobjekte zu Kunst.

Von Mark-Christian von Busse

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