HR-Doku: Nicht nur Göker ist im Größenwahn

Er hat „einen Drive wie Goebbels“: Der umstrittene Unternehmer Mehmet Göker fährt im Cabrio durch die Türkei, wo er weiter private Krankenversicherungen vermittelt. Foto: hr

Manchmal ist Mehmet Göker einfach nur ein schlechter Schauspieler in der HR-Dokumentation „System Größenwahn“. „Es ging mir nie ums Geld. Wer das sagt, kennt mich nicht“, sagt der Kasseler Versicherungsmakler. Mit seiner Firma MEG wurde er erst zum Multimillionär und legte dann eine beispiellose Pleite hin.

Das wird ihm kein Zuschauer glauben - erst Recht nicht die, die ihn kennen. Fritz Westhelle, der die MEG als Insolvenzverwalter abwickelte, sagt: „Die hatten nur im Sinn, möglichst viel Geld zu verdienen. Das war der Wert an sich.“

So ähnlich hat auch der Kasseler Regisseur Klaus Stern die Geschichte von Göker erzählt. Knapp zwei Wochen nachdem seine vielgelobte Doku „Versicherungsvertreter“ bundesweit in den Kinos angelaufen ist, zeigt der HR am Dienstag, 20. März, um 22.45 Uhr eine 45-minütige Reportage von Oliver Schmid und Christian Landrebe. Man kann nicht sagen, welcher Film der bessere ist. Jeder erzählt den hollywoddreifen Plot auf seine Weise.

Video: Göker-Film: Diskussion mit Klaus Stern

Schmid und Landrebe, die 2009 - drei Jahre später als Stern - mit ihrer Recherche begannen, wenige Tage vor Stern mit Göker in der Türkei sprachen und nun etwas hinterherhinken, wollen das ganze System der privaten Krankenversicherer beschreiben, wie schon der Untertitel deutlich macht: „Mehmet E. Göker und die Geschäfte der Versicherer.“

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So lassen sie Hermann-Josef Tenhagen zu Wort kommen. Der Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“ erklärt, dass Vermittler ausschließlich vom Verkaufen leben. Sie müssten schon Heilige sein, wenn Sie nicht den Vertrag verkaufen würden, der ihnen das meiste Geld sichert: „Am Ende heißt das, dass die Versicherer die Beiträge für alle Kunden erhöhen müssen, weil sie so viel für die Provisionen bezahlen.“

An diesem kranken Gesundheitssystem, diesen Schluss lässt der Film zu, wird sich wohl auch nicht viel ändern, wenn private Versicherer ab dem 1. April nur noch höchstens neun Monatsbeiträge Provisionen bezahlen dürfen.

Wie Stern zeigen auch Schmid und Landrebe alte MEG-Firmenvideos, in denen sich der Chef luxuriös feiern lässt und seine Mitarbeiter zusammenstaucht. Bisweilen schauert es den Zuschauer. Ein Ex-Mitarbeiter sagt, dass Göker „einen Drive wie Goebbels“ gehabt und den Verkauf privater Krankenversicherungen revolutioniert habe - „und das für einen Türken“.

Der sitzt nun in der Türkei, während die Staatsanwaltschaft immer noch gegen ihn ermittelt. Am Ende bestaunt Göker im Hafen eine Luxus-Yacht und grüßt „die ganzen Neidhammel“. Dann fragt er: „Ich habe Träume, was habt ihr?“ Manchmal ist Göker doch ein sehr guter Schauspieler.

Von Matthias Lohr

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