Neue Reihe "Freie Zimmer" bis zum 23. Juni

Lieblingsort vieler documenta-Besucher: Hugenottenhaus öffnet nach jahrelangem Verfall wieder

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So war es 2012: Im Hugenottenhaus in der Kasseler Friedrichsstraße trafen sich während der documenta 13 Künstler aus der ganzen Welt.

Für viele Besucher der documenta 13 war das Kasseler Hugenottenhaus der Lieblingsort. Jahrelang stand das Gebäude leer. Nun wird es von Kasseler Künstlern wieder zum Leben erweckt.

Der Zauber ist sofort wieder da. Im Hugenottenhaus, vor sieben Jahren einer der beliebtesten Schauplätze der documenta 13, zieht wieder Leben ein. Und, das ist bei einem ersten Rundgang bald zu spüren, der Geist des Chicagoer Künstlers Theaster Gates, der 2012 dieses in einen Dornröschenschlaf gefallene Gebäude aufgeweckt hatte, ist noch nicht verflogen.

Dass mit der Ausstellung „Freie Zimmer“, die an diesem Freitag eröffnet wird, das Hugenottenhaus belebt wird, ist einerseits der 5Fenster GmbH & KG zu verdanken, hinter der Michael Majcen und Matthias Tunnemann vom Architekturbüro Sprengwerk sowie der Unternehmer Udo Wendland mit seiner Stiftung Impulse für Kassel stehen und die das Areal nach langwierigen, schwierigen Verhandlungen vom Konzern Aroundtown aus Luxemburg erworben hat.

Es ist das Verdienst des Kasseler Künstlerpaars Silvia und Lutz Freyer. Die Freyers haben, unterstützt von Tochter Maren und vielen Freunden, die Ausstellung organisiert.

Engagiert für „Freie Zimmer“ im Hugenottenhaus: von links Lutz, Silvia und Maren Freyer.

Hugenottenhaus war in katastrophalem Zustand

Und vor allem das Haus – „einen Trümmerhaufen“ – entrümpelt: Sperrmüll beseitigt, Wände eingezogen, Riesenlöcher in Decken und Böden geschlossen, Toiletten eingebaut, für Strom und Wasser gesorgt. Der Zustand war „katastrophal“, sagt Lutz Freyer, „ich habe wirklich im Taubendreck gewühlt“. Die Arbeitsstunden, sie betrugen längst hunderte, hat er zu zählen aufgehört. Zuletzt galt es Brandschutzauflagen – eine Fluchttreppe, Brandmelder, Feuerlöscher, Notausgangsschilder – zu erfüllen.

Silvia Freyer hat sich derweil vor allem auf das Kuratorische konzentriert, den Kontakt mit fast 60 Künstlern gehalten. „Freie Zimmer“ knüpft an die Ausstellung „Neue Enden“ der Fritz-Schwegler-Schüler an, die 2015 im Kasseler Kunstverein und in Hamburg zu sehen war.

Ein Dutzend Künstler sind geladen

Wieder haben Freyers, die beide die Klasse des 2014 gestorbenen Düsseldorfer Professors und documenta-Teilnehmers besucht haben, andere prominente Schwegler-Schüler wie Thomas Schütte und Gregor Schneider eingeladen, aber auch ein Dutzend Kasseler Künstler gewonnen. „Wir wollen eine Form von Kunst näher bringen, die in den Institutionen so nicht zu finden ist“, sagt Silvia Freyer. Ihr Mann ergänzt: „Wir machen einen konkreten Vorschlag“ – exemplarisch für das Zentrum für Kunst und Kultur, zu dem das Hugenottenhaus vielleicht werden könnte.

Nun jedenfalls warten im Bode-Saal, in dem 2012 die Tänzer bei Tino Sehgals Performance die Besucher mitgerissen haben, alte Sofas, Stühle und Teppiche sowie eine aus Türen gebaute Theke auf die Gäste der Vernissage, die Farbe des damals komplett nachtschwarzen Raums ist an manchen Stellen noch zu sehen. Charme und Strahlkraft des Hugenottenhauses sind unverwüstlich.

Eröffnung am Freitag, 18 Uhr, Friedrichstr. 25. Bis 23. Juni, Fr - So 11-19 Uhr. Erstes Künstlergespräch am Samstag, 14 Uhr.

Hier ist das Hugenottenhaus:

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