Schauspieler Ben Stiller im Interview über seinen neuen Film „Greenberg“, Erinnerungen und Erfolg

„Humor hilft über die Hürden“

Mit Filmen wie „Verrückt nach Mary“ oder „Meine Braut, ihr Vater und ich“ spielte sich Ben Stiller in die Top-Ten der Gagenkönige von Hollywood. Nun tritt er in einer kleinen unabhängigen Produktion auf: In der Tragikomödie „Greenberg“ spielt er einen lethargischen Helden, der mit dem Leben hadert.

Twittern Sie etwa während dieses Interviews?

Ben Stiller: Nein, ich hör’ schon auf. Aber bisweilen macht mir das Spaß. Ich twittere nicht täglich, aber wenn ich im Hotel eine Stunde Zeit habe, mache ich das gerne.

Für Ihre Figur Greenberg, der Kommunikationsprobleme hat, wäre Twitter keine schlechte Möglichkeit?

Stiller: Stimmt. Ausgesprochen sinnvoll sind diese Medien, um Bewusstsein zu schaffen oder schnell Spenden zu sammeln, wie zum Beispiel beim Erdbeben von Haiti.

Mögen Sie diesen schrägen Greenberg?

Stiller: Ich kann ihn gut verstehen und habe Mitgefühl mit ihm. Er mag kein einfacher Zeitgenosse sein, niemand, den man sofort gern hat. Seine alltäglichen Kämpfe ums Überleben kann ich gut nachvollziehen.

Wie viele Schnittmengen gibt es zwischen Greenberg und Stiller?

Stiller: Natürlich kenne auch ich das Gefühl, dass das Leben nicht einfach ist und man mit Dingen konfrontiert wird, die man nie erwartet hat. Meine Erfahrung ist, dass man mit zunehmendem Alter diese Realität immer stärker wahrnimmt. Leute aus deiner Umgebung werden krank oder sterben. Plötzlich sind Menschen, die du geliebt hast, einfach nicht mehr da.

Wie viel Stiller steckt generell in Ihren Figuren?

Stiller: Das müssen andere beurteilen. Für mich ist wichtig, dass ich Bezugspunkte zu einer Figur finde. Der Reiz für dieses Projekt kam über Regisseur Noah Baumbach, mit dem ich unbedingt arbeiten wollte. Es ist ein Drama, aber gerade dramatische Stoffe wirken mit Humor viel besser. Deshalb gibt es sogar bei den Gangsterfilmen von Martin Scorsese komische Momente.

Welche Rolle spielt die Komik bei dieser Figur?

Stiller: Greenberg sieht komische Seiten in anderen, so, wie er seine Mitmenschen zu kritisieren vermag. Beide Talente fehlen ihm, wenn es um seine eigene Person geht. Ich finde es herzzerreißend, wenn jemand nicht fähig ist, sich aus der Distanz zu betrachten und über sich zu lachen. Oft hilft nur Humor über die Hürden des Lebens.

Was halten Sie von Greenbergs Meinung über die Teenager von heute?

Stiller: Das Problem ist, dass Greenberg aus Frustration urteilt. Zu 50 Prozent mag seine Sicht stimmen, aber die andere Hälfte ist aus purem Selbsthass geboren. Bei dieser Partyszene hatten wir übrigens keine Statisten, das waren echte Kids in Feierlaune, die ihre coolen Freunde einluden und noch coolere Witze machten. Die Party dauerte drei Tage. Alles wirkte so echt, dass es mir vorkam, als wären wir Schauspieler die Statisten.

Bewahren Sie Souvenirs von Ihren Filmen auf?

Stiller: Nur die Drehbücher. Ich liebe Erinnerungen, aber sie machen mich auch traurig, weil sie die Schnelligkeit des Lebens schmerzlich sichtbar machen. Wenn ich Jahre später alte Filme ansehe, wirkt das seltsam. Man hat endlos viel Zeit damit verbracht - und im Abstand hat man ein anderes Verhältnis dazu. Wenn du jung bist, machst du verrückte Dinge und denkst nicht groß nach. Man riskiert etwas, setzt Ideen um, denn die Worte „geht nicht“ gibt’s nicht. Wenn man älter wird, merkt man, wie schwer es ist, manche Hürden zu überwinden.

Wie wichtig ist Erfolg für Sie?

Stiller: Da ich aus einer Schauspieler-Familie komme, ist das alles nicht so aufregend für mich. Ich glaube kaum, dass mir der Erfolg zu Kopf steigt. Ich lebe nach wie vor ein ganz normales Leben.

Von Dieter Osswald

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