Interview: Der polnische Comedian über derbe Witze und das Aufwachsen in Deutschland

Marek Fis: „Humor hat mir immer geholfen“

Die Gags von Marek Fis sind so derbe wie sein Nachname. Der einzige polnische Comedian in Deutschland begrüßt seine Zuschauer mit Sprüchen wie „Jetzt habe ich endlich mal die Gesichter zu den Autos“.

Damit hat der 29-Jährige nicht nur im Fernsehen Erfolg, wo er häufig zu sehen ist. Am Freitag gastiert er im Bürgerhaus Vellmar West. Wir sprachen mit Fis, der eigentlich Wojciech Oleszczak heißt.

Herr Fis, mussten Sie die 500 Euro, die Sie dem deutschen Beamten versprochen haben, der Ihren bürgerlichen Namen nur vom Hören korrekt schreiben kann, schon mal zahlen?

Marek Fis: Nein, noch nie. Und weil es jetzt gut läuft bei mir, erhöhe ich den Einsatz auf 2000 Euro. Mein Pech wäre, wenn der Sachbearbeiter ein Pole wäre. Wobei: Wir Polen sitzen meist auf der anderen Seite. Wir sind die Antragssteller.

Deutschtürkische Comedians gibt es viele. Wieso sind Sie der einzige Deutsche mit polnischen Wurzeln, der hierzulande Witze erzählt?

Fis: Das frage ich mich auch. Wenn ich meine Freunde und Familienmitglieder anschaue, muss ich feststellen, dass jeder mehr Talent zum Witze erzählen hat als ich. Leute aus Polen sind nach den Türken die größte Gruppe in Deutschland. Deshalb müsste es eigentlich mehr polnische Comedians geben.

Wie oft begegnen Sie im Alltag Vorurteilen gegenüber Ihrer Heimat?

Fis: Da ich nicht fremdländisch aussehe und besser Deutsch spreche als die meisten Deutschen, ist das eigentlich kein Thema mehr. Nur wenn man seinen Namen buchstabieren muss, fragen die Leute: „Sie können aber gut Deutsch, oder?“ Dabei mag ich Vorurteile. Ich habe zwei linke Hände, die Leute denken jedoch , ich könne ein Haus bauen. Stereotypen wird es immer geben, aber man darf sie nicht zu ernst nehmen. Deswegen halte ich den Menschen auf der Bühne mit Humor den Spiegel vor.

Sie sind mit fünf Jahren nach Deutschland gekommen. Wie haben Sie Deutsch gelernt?

Fis: Durch Zeichentrickfilme und „Die Sendung mit der Maus“. Meine Mutter war als Altenpflegerin arbeiten und ich allein, da habe ich fern gesehen. Das sollte man eigentlich nicht den ganzen Tag, aber für mich war es gut, weil ich die Sprache gelernt habe.

Wann wussten Sie, dass Sie auf die Bühne wollen?

Fis: Als alle anderen Pläne gescheitert waren. Eigentlich wollte ich Historiker werden. Das trockene Geschichtsstudium habe ich jedoch geschmissen. Dann bin ich nach New York geflüchtet, wo ich in einer Bar gejobbt habe. Diese Selbstfindungsphase hat mir gezeigt, was ich machen will. Schon in der Schule war ich der Klassenclown. Humor hat mir immer geholfen.

2006 sind Sie dann bei einem Talentwettbewerb im Berliner „Quatsch Comedy Club“ entdeckt worden.

Fis: Ein Jahr zuvor hatte Cindy aus Marzahn da gewonnen. Ich habe mich angemeldet, stand zum ersten Mal auf der Bühne und dachte: „Du hast nichts zu verlieren.“ Am Anfang fand ich es schon super, dass die Leute nicht gebuht haben. Am Ende bin ich Zweiter geworden. Danach wusste ich: „Geh deinen Weg.“

Wie sind Sie auf Ihren Künstlernamen gekommen – weil Ihre Sprüche so fies sind?

Fis: Ja, es ist schon ein bisschen fies, was ich mache. Stand-up-Comedy sollte keine weichgespülte Scheiße sein. Man muss Haltung haben.

Als Pole und Schalke-Fan stecken Sie in der Zwickmühle. Der Rivale Borussia Dortmund firmiert dank Ihren Landsleuten wie Robert Lewandowski als „Polonia Dortmund“.

Fis: Ich habe festgestellt, dass es sehr viele Mode-Fans gibt, die sich jetzt als Anhänger von Borussia Dortmund ausgeben. Dabei ist es doch so: Man kann seine Frau wechseln, aber nicht den Fußball-Verein. Egal wie viel ich auf die Fresse kriege – ich bleibe Schalker. Ich freu mich aber, wenn Dortmund 4:5 verliert und die Polen alle Tore geschossen haben.

Marek Fis: Baustelle Europa – Ein Pole packt aus/ein. 8. November, 20 Uhr, Bürgerhaus Vellmar West, Lüneburger Str. 10. Karten: 0561/203-204.

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