„Humor ist die intelligenteste Art“: Entertainerin Sissi Perlinger im Interview

Selbst ernannte Hohe Priesterin der gehobenen Comedy: Mit ihrem Programm „Gönn’ dir ’ne Auszeit“ hat es Sissi Perlinger darauf angelegt, dass sich ihr Publikum schieflacht. Foto: Zachan/nh

Erst kam das Liebes-Aus, dann der Tinnitus. Dann hat sich Sissi Perlinger in die Arbeit gestürzt, bis gar nichts mehr ging. Inzwischen hat die schrille Entertainerin ihre Lebenskrise hinter sich. Aus dieser Zeit hat die Kabarettistin ein Buch gemacht und aus dem Buch ein Bühnenprogramm. Mit „Gönn’ dir ’ne Auszeit“ tourt sie derzeit durchs Land, am 9. September steht sie auf der Bühne des Bürgerhauses in Kaufungen (Landkreis Kassel). Wir sprachen mit der 47-Jährigen.

Frau Perlinger, was erwartet einen bei „Gönn’ dir ’ne Auszeit“?

Sissi Perlinger: Vor zwölf Jahren bekam ich einen schweren Tinnitus, ich konnte ein Jahr nicht schlafen. Die ganze Geschichte, wie ich ihn gekriegt habe und wie ich ihn wieder losgeworden bin, das ist das Thema meiner Show. Es ist ein lustiges Programm über ein ernstes Thema.

Wie sind Sie darauf gekommen, über Ihre Krise eine Show zu machen?

Perlinger: Ich habe immer das, was mir passiert ist, reflektiert, und daraus eine Show gemacht. Das mache ich seit fast 25 Jahren so.

Bereuen Sie es manchmal, so private Sachen vor Ihrem Publikum auszubreiten?

Perlinger: Nein. Das hat erstens den Vorteil, dass man sich damit sehr gut auskennt, weil man das ja alles selber erlebt hat. Und dadurch, dass man darüber reflektiert, wird man sich sehr viel bewusster über die eigenen Muster. Für die Leute ist es spannend, weil sie sich wiedererkennen. Das hat auch was Schamanistisches. Ich gehe mit den Leuten die Geschichten durch und löse vor versammelter Mannschaft menschliche Probleme in Gelächter auf.

Aber wer richtig in einer Krise steckt, dem ist ja eigentlich nicht so zum Lachen.

Perlinger: Aber lachen ist das Heilsamste, was man machen kann. Und man sieht: Aha, das geht vorbei, der ging’s auch mal so, und sie steht jetzt hier und lacht sogar. Dazu gebe ich Tipps, wie man sich vor einer Krise bewahren kann und wie man da wieder rauskommt. Humor ist die intelligenteste Art, mit den Dingen umzugehen.

Erst haben Sie aus Ihrer Krise ein Buch gemacht, dann eine CD, jetzt sind Sie monatelang mit dem Programm unterwegs. Ist da der nächste Tinnitus nicht programmiert?

Perlinger: Nee, das ist ja eine freudvolle Arbeit und kein Stress. Mein Job macht mich total glücklich. Ich darf auf der Bühne das machen, was ich auch mache, wenn ich frei habe: Ich singe, tanze, trommele, spiele Gitarre, ich erzähle Geschichten, ich schlüpfe in ganz viele Rollen.

Was haben Sie aus Ihrer Krise gelernt?

Perlinger: Sehr viel, und ich habe mein Leben grundlegend verändert. Damals habe ich zu viele Jobs gleichzeitig gemacht. Ich habe mich in eine Ecke verführen lassen, in die ich nicht hingehöre und etliche Filme gedreht. Das hat zwar Spaß gemacht, aber ich hatte trotzdem noch meine Bühnenauftritte. Ich saß nur noch im Flieger von A nach B. Das war überhaupt nicht kreativ. Damit habe ich komplett aufgehört. Ich mache nur noch meine eigene Show. Seitdem hat mein Leben eine große Klarheit.

Nehmen Sie sich auch jetzt noch Auszeiten?

Perlinger: Natürlich. Den Winter nehme ich mir seit zwölf Jahren frei und fahre nach Indien. Morgens mache ich Yoga, meditiere, mache meinen Körper fit, spiele Gitarre, Schlagzeug, trommele. Im Sommer lebe ich auf Ibiza.

Wenn Sie keine Krise gehabt hätten: Mit welchem Programm würden Sie heute auf der Bühne stehen?

Perlinger: Bei mir gibt’s keinen Konjunktiv. Es ist das, was ist, und so ist es. Es hat schon alles seine Richtigkeit.

Waren Sie schon mal in Kaufungen?

Perlinger: Ich weiß nicht, ich war schon an so vielen Orten. Aber egal, wo ich hinkomme, das Wichtigste sind die Menschen. Wenn ich auf die Bühne gehe, habe ich nie das Gefühl, jetzt ist es irgendwie dumm. Wenn man mit offenem Herzen rausgeht und eine authentische Geschichte erzählt, merken die Leute, dass das kein Schmarrn ist und lachen sich tot.

Sissi Perlinger: 9. September, 20 Uhr, Bürgerhaus Kaufungen. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Von Claudia Hempel

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