Wehlheider Hoftheater feierte mit „Die Physiker“ eine gelungene Premiere

Humorvoller Wahnsinn

Gespielter Irrsinn: Christian Wagner als Inspektor und Peter Herborg als Physiker Isaac Newton. Foto: Fischer

Kassel. Dass Wettrüsten mit Atombomben der reinste Wahnsinn ist, bei dem gerade die Forschungen genialer Köpfe missbraucht werden, bewies besonders der Kalte Krieg seit den 1950er-Jahren. Der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt, der „die Welt mit seinen Stücken nicht retten, sondern erklären“ wollte, setzte sich mit seinem Stück „Die Physiker“ mit der abstrusen Aufrüstungslogik und der Verantwortung des Menschen gegenüber der Forschung auseinander.

Dass er das in Form einer Komödie tat, dürfte dem Wehlheider Hoftheater entgegengekommen sein. Denn neben dem zeitlos aktuellen Gehalt dieses Themas durfte am Samstag bei der ausverkauften Premiere viel und herzlich gelacht werden.

Verständlich, denn wenn zwei Irre einer Heilanstalt sich für Albert Einstein (Thomas Gerner, überzeugend verschroben) und Isaac Newton (Peter Herborg, glaubhaft undurchsichtig) halten und der dritte, „Möbius“ (Eberhard Horn mit starker Leistung), für ein Genie, das sich von den Erscheinungen des biblischen Königs Salomo dirigiert fühlt, dann rollt die Satire schon mal den roten Unterhaltungsteppich aus. Wenn sich dann besagte Verrückte als Simulanten erweisen, die ihre Pflegerinnen erdrosseln, nur um den Schein ihrer Gestörtheit zu unterstreichen, und zwei von ihnen sich sogar als Mitarbeiter eines Geheimdienstes outen, die den dritten, Möbius, für ihr Land zwangsverpflichten wollen, dann wächst zudem die Neugier des Krimifans.

Wie geht das weiter? Wie in Dürrenmatts Vorlage? Was macht die Polizei mit Christian Wagner als lässigem Inspektor? Das sei hier nicht verraten. Nur so viel: Ausgerechnet die Leiterin, Frau von Zahnd (Eva-Marie Brodheim-Egbuna, großartig als spleenig-verschrobene Ärztin) übertrifft in puncto absurder Logik und Wahnsinn ihre Patienten um Längen. Fazit: eine gelungene Inszenierung. Gute bis sehr gute Darstellerleistungen. Zündender Humor, der jedoch nicht die Tiefe und Brisanz des Themas verschüttete. Lautstarker und lang anhaltender Beifall im Cassalla-Theater.

Es spielten außerdem mit: Christiane Schuchhardt, Kirsten Henkel, Merlin Wagner, Johannes Moosbühler, Thomas Wagner, Jochen Holstein, Elke Botte, Werner Kanturek, Björn Pampuch, die Kinder Adrian Hebstreit, Noah und Jacob Müller.

Wieder am 27., 28. und 29.4. Karten: Tel. 0561 / 766 16 93.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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