300 Jahre Porzellan-Geschichte im Stadtmuseum Hofgeismar

Hunde in allen Facetten

Schäfer mit Hund: Entwurf von Christian Tomsen (1906), Royal Copenhagen.

Hofgeismar. Das ist ein seltsamer Stoff: Man kann ihn nicht mit dem Messer zerschneiden, er ist nicht recyclebar, lässt sich nicht in seine ursprünglichen Bestandteile zerlegen, ist extrem widerstandsfähig, geschmacksneutral und hält fast allen Säuren stand. Nur das Herunterfallen vom Tisch bekommt ihm nicht. Die Rede ist vom Porzellan, dem in China erfundenen weißen Gold, dessen Wieder-Entdeckung in Deutschland vor 300 Jahren gelang.

Dieses Jubiläum feiern große Ausstellungen in den Porzellanhochburgen, etwa Selb und Hohenberg. Doch man muss nicht bis in den Bayrischen Wald fahren, um eine aufschlussreiche Entdeckungsreise durch die Porzellanwelt zu unternehmen. Das Stadtmuseum in Hofgeismar, bekannt für überregional aufsehenerregende Spezialausstellungen, stellt Entwicklung, künstlerische Techniken und Herstellungsverfahren mit zwei eindrucksvollen Privatsammlungen vor. Roswitha Stern zeigt einen überraschenden Einblick in die Vielfalt der bei Handarbeiten verwendeten Fingerhüte, darunter viele aus Porzellan.

Den größten Raum nehmen aber die über 160 Porzellanhunde ein, die Winfried Mätzke (71) aus Hofgeismar zusammentrug, nachdem er eher zufällig ihrem Reiz erlag. Hunde, die rangeln, schlafende, träumende, verspielte, aufmerksame Hunde, mit ihrem Herrchen, bei der Jagd - mehr als 20 europäische Manufakturen sind vertreten. Die Figuren vom Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts belegen, welch hochkarätige Künstler von den Manufakturen engagiert wurden. Gleichzeitig spiegelt sich ab dem Jugendstil das gewandelte Verhältnis zum Tier wider: Dessen Persönlichkeit wird wichtig.

Die Ausstellung zeigt den kompletten Werdegang einer Porzellanfigur, ermöglicht durch Leihgaben der Aeltesten Volkstaedter in Rudolstadt (Thüringen), und Begleitmaterialien betten die Stücke ein in die wechselhafte Geschichte der Manufakturen in Europa.

Eine überraschende Erkenntnis nimmt jeder Porzellan-Neuling mit: Es ist egal, ob eine Figur vor 100 Jahren oder erst 2010 gebrannt wurde. Sie sind ja nur Kopien einer Idee, die der Künstler in ein Tonmodell grub. Was zählt, ist das Jahr des Entwurfs. Denn aus den Originalformen können immer wieder Kopien gegossen werden, eine wie die andere. Zeitlos eben. 300 Jahre Porzellan, Stadtmuseum Hofgeismar, bis 27. Juni, Mo, Di, Do 10-12, Mi 15-18, Fr 17-19 Uhr, So 11-13, 15-18 Uhr. Eintritt frei, Tel. 05671/4791, www.museum-hofgeismar.de

Von Thomas Thiele

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