Ein skurriles Konzert zum Auftakt der Reihe „Achtmal Alte Brüderkirche“

Hupe, Styropor, Luftballon

Kunstformen treffen aufeinander: Stefan Conradi (von links) und Bernd Gehlen (Musik), Angelika Höger (Kunst, Installation aus Strohhalmen und Nylonfäden) und Kathrin Jahns (Sprache). Foto: Malmus

KASSEL „Wirklichkeit (er)finden“: Unter diesem Motto steht die diesjährige Ausgabe der Konzertreihe „Achtmal Alte Brüderkirche“, deren erstes Konzert am Sonntagabend vor etwa neunzig Besuchern stattfand. Musik, Bildende Kunst und Texte waren, wie es die Absicht der Reihe ist, zu einem einstündigen Aufeinandertreffen „komponiert“.

Die Klappstühle standen an den Wänden des länglichen Kirchenschiffs, sodass viel Platz in der Mitte frei wurde. Hier wie im Chorraum und an der Südwand waren die fragilen Gebilde aus Kunststofftrinkhalmen von Angelika Höger positioniert, die durch Farben und Schattenwurf feine Raumakzente setzten.

Für den musikalischen Part sorgte das Gitarrenduo von Stefan Conradi und Bernd Gehlen mit sechs kurzen Stücken, darunter fünf aus der Moderne. Beim ersten und letzten - „Sounds of Venice“ von John Cage und „Montage à titre de spectacle“ von Mauricio Kagel - mussten die beiden zu eingespielten Bändern mit Stadtgeräuschen aus Venedig bei Cage, Zirkusklängen bei Kagel, halbszenisch verschiedene Schallquellen aktivieren: Man sah und hörte Wasser, eine Hupe, eine Fahrradpumpe, einen Ventilator auf einer Minigitarre, einen Luftballon und manch anderes. Die ernsten Gesichter im Publikum kontrastierten merkwürdig zu den beiden unkonventionell-unernsten Darbietungen. So trug Kagel den beiden Darstellern auf, wie ein Pferd durch den Raum zu laufen; das Vorderteil mit Gitarre war mit dem Hinterteil durch eine Metallspirale verbunden.

Die anderen Stücke des musikalischen Teils, die Conradi und Gehlen ebenso souverän ausführten, stammten von Jörg Mainka (eine farbenreiche „Venezianische Eröffnung“, die dem ganzen Konzert auch den Titel gab), von Mark Andre („iv 14 1, b, d, e“, vier aphoristische Minimalstwerke), Matthias Kaul („Weird - Wired“ für zwei Gitarren, traktiert mit Styroporhalbkugeln und Geigenbögen) und dem Altspanier Enríquez de Valderrábano.

Das Kunsttrio komplettierte Kathrin Jahns mit der Lesung von Texten Pablo Picassos, Ulrich Tukurs, Hilde Domins und aus dem Buch Jesaja.

Von Johannes Mundry

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