Nach einem Burn-out von Peter Plate und fünf Jahren Pause meldet sich das Berliner Pop-Duo Rosenstolz zurück

Hurra, sie leben und singen immer noch

Das Berliner Pop-Duo Rosenstolz ist zurück.

Am Morgen nach dem Konzert in Hamburg im Januar 2009 weinte Peter Plate ohne Ende. Am Abend zuvor war der Keyboarder und Sänger des Pop-Duos Rosenstolz mit seiner Kollegin AnNa R. von 12 000 Fans gefeiert worden, doch zwischen zwei Songs bekam der damals 42-Jährige Panik und flüchtete von der Bühne.

Nachdem man ihm ein Beruhigungsmittel gegeben hatte, beendete er das Set, aber bald war klar, dass Plates Leben so nicht weitergehen konnte. Er hatte einen Burn-out.

Als Songschreiber der Berliner Pop-Formation hatte es Plate in fast zwei Jahrzehnten von Kleinkunstbühnen in die ganz großen Hallen geschafft. Mit Hits wie „Liebe ist alles“ verkauften Rosenstolz mehr als sechs Millionen Tonträger. Nun konnte sich der erfolgreiche Plate vor Erschöpfung nicht mal entscheiden, ob er Zucker in den Kaffee wollte oder nicht.

Songschreiben als Therapie

Im Februar 2009 sagte die Band sämtliche Termine ab und kündigte an: „Wir sehen uns wieder.“ Mehr als zweieinhalb Jahre später sind Rosenstolz tatsächlich wieder da. An diesem Freitag ist ihr zwölftes Album mit dem programmatischen Titel „Wir sind am Leben“ erschienen. Die Fans auf ihrer Facebook-Seite überschlagen sich vor Freude. Eine Katja lobt die gleichnamige Single, weil sie „zu meiner Situation passt: Ich habe vor ein paar Wochen den Krebs besiegt (diesen kleinen, hinterlistigen Schweinehund)“.

Auch Rosenstolz sind keine Wunderheiler, aber ihre melodischen Pop-Hymnen können Kraft spenden. Für Plate, der zwischenzeitlich nach London zog, war das Songschreiben eine Therapie. „Wieder zu komponieren, hat mich gerettet“, sagt er. In „Mein Leben im Aschenbecher“ singt er: „Ich war so seltsam satt / doch mit dem Glück Pech gehabt. / Ich will aus der Asche raus / ich steh endlich auf.“

So zieht sich das durch alle elf Songs. Für AnNa R. (41), die eigentlich Anna Rosenbaum heißt, ist es eine „Arschtritt-Platte“ geworden. Selbst den schlimmsten Rückschlägen können Rosenstolz etwas Positives abgewinnen. Im Video zum Titelsong spielt Katrin Sass („Good Bye, Lenin“) eine alte Frau, die auf ihr Leben zurückschaut. Liebeskrisen und Kriegskatastrophen ziehen vor ihrem Auge vorbei, aber sie sieht dabei glücklich aus. „Das Leben ist ein Auf und Ab, aber es sollte nicht langweilig sein“, findet Plate.

Musikalisch steht meist das Klavier im Vordergrund, in „Überdosis Glück“ sorgen die Bläser der Berliner Reggae-Band Seeed für den nötigen Tanz-Groove, und in der zarten Ballade „Beautiful“ hat der New Yorker Singer/Songwriter Scott Matthew einen Gastauftritt.

Plate hat aus seinem Erschöpfungszustand die richtige Lehre gezogen: „Ich habe gelernt, dass ein Handy einen Ausschaltknopf hat.“ Wem die simple Erbauungslyrik von Rosenstolz zu viel ist, der kann es genauso machen und den CD-Player ausschalten.

Rosenstolz: Wir sind am Leben (Island/Universal). Wertung: !!!::

Von Matthias Lohr

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