Der somalische Rapper K’naan macht den Fußball politisch

Der WM-Song: Hymne mit Botschaft

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Sein Song „Wavin’ Flag“ ist der offizielle Song der Fußball-WM.

Dass der somalische Rapper K’naan anders als die meisten Popstars ist, bewies er im Juni 2007 beim Konzert im Kasseler Kulturzelt. Vor der Bühne störten einige dauerquasselnde Jugendliche die Zugabe.

In solchen Momenten flippen Künstler gern aus. Ein Gangsta-Rapper wie 50 Cent hätte wahrscheinlich seinen Revolver gezogen. Aber K’naan bat die Störenfriede nur kurz um Aufmerksamkeit und machte dann in aller Ruhe mit einem Lächeln weiter.

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Vor drei Jahren war der Musiker noch ein Geheimtipp, in diesem Sommer wird man an dem 32-Jährigen nicht mehr vorbeikommen. Coca-Cola hat sein Lied „Wavin’ Flag“ zur offiziellen Hymne der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika gemacht.

Das Stück ist anders als die meisten Fußballlieder. Man kann es mitgrölen, ohne dass es einem peinlich ist. Es ist eingängig und intelligent, es ist politisch, und es ist wahrscheinlich der beste WM-Song aller Zeiten.

„Du hast eine Hymne für eine ganze Generation geschrieben“, gratulierte der Rapper Jay-Z. K’naan, der als 13-Jähriger mit seiner Familie vor dem Bürgerkrieg in Somalia flüchtete und heute in Kanada lebt, hat das Lied schon vor einem Jahr auf seinem Album „Troubadour“ veröffentlicht.

In der ursprünglichen Version sang er: „Wir kämpfen ihre Schlachten, und dann betrügen sie uns.“ Kritiker dachten, es gehe um sein Heimatland, das laut einer Liste des Magazins „Forbes“ als gefährlichster Ort der Welt gilt. Aber K’naan sagte, es könne sich auch auf die USA beziehen, die Menschen in den Krieg schicken: „Es geht um die menschliche Natur, die sich immer wieder diese Gräueltaten antut.“

In Kanada und Mexiko landete die Ursprungsversion in den Charts auf Platz eins. Dann nahm K’naan „Wavin’ Flag“ für die Haiti-Hilfe noch einmal mit Stars wie Nelly Furtado auf. Im „Coca Cola Celebration Mix“ für die WM singt er nun nicht mehr vom „Kampf ums Essen“, sondern vom „schönen Spiel“.

Und trotzdem bleibt die Version mit Trommeln und Chören ein Hit mit Botschaft. „Es gibt nichts anderes, das die Menschen auf der Welt so vereinen kann wie Musik und Fußball“, glaubt K’naan, dessen Musik eine Mischung aus HipHop, Reggae, Soul, Funk und Spoken-Word-Kunst ist.

Kaynaan Warsame, wie sein richtiger Name lautet, sieht sich als „Mittler zwischen den verschiedenen Welten“ und steht in der Tradition zweier großer Protesthelden: Mit dem New Yorker Produzenten J. Period veröffentlichte er zuletzt ein Tribute an Bob Dylan.

Und „Wavin’ Flag“ nahm er im Haus von Bob Marley auf. Nach der Session kickte er mit den Kindern des Reggae-Übervaters im Garten. Für das WM-Finale hat er schon Karten. Bei strittigen Entscheidungen sollte die Fifa ihn als Schlichter heranziehen.

K’naans Großvater, der somalische Lyriker Haji Mohamed, vermittelte einst zwischen zwei verfeindeten Clans, indem er ein Gedicht vortrug.

Von Matthias Lohr

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