Spohr-Kammerorchester mit Musik Schostakowitsch, Schönberg und Seither in der Martinskirche 

Hochklassiges Ensemble für Neue Musik: Das Spohr-Kammerorchester mit Leiter Eckhard Manz. Foto: Fischer

Kassel. Die schönsten Konzerte sind diejenigen, bei denen man nicht genau weiß, ob es die Werke oder die Aufführenden sind, die den größeren Anteil an der Wirkung haben.

Vier gewichtige, in Charakter und Besetzung sehr unterschiedliche Werke umfasste am Freitagabend das zweite Konzert der Festivalreihe „Neue Musik in der Kirche“. Die wichtigste Verbindung zwischen ihnen stellten die Musiker des Spohr-Kammerorchesters Kassel her: Ihr intensives und klanglich ausgefeiltes Spiel war die Konstante dieses Abends, und auch die sonst durchaus nicht unproblematische Akustik des Martinskirchenraumes hatte positiven Anteil am Gelingen.

Neue Musik hat oft, auch wenn sie sich nicht programmatisch versteht, inhaltliche Anlässe und Bezugspunkte. Man kann, muss diese aber bei Frank Gerhardts Stück „retraite - Echolot II“ aus dem Jahr 2000 nicht kennen, um von dieser Musik beeindruckt zu sein. Der Kasseler Kompositionsdozent nimmt Bezug auf den militärischen Rückzugsruf (retraite) und schafft eine wellenförmige Entwicklung in der Verbindung von zwölf Streichern und einem umfangreichen Perkussionsapparat. Nach heftigen Eruptionen führt die Solovioline (Katalin Hercegh) das Stück im Flageolett zu einem sphärisch gelösten Schluss. Kantor Eckhard Manz leitete das äußerst konzentriert spielende Ensemble.

Streichquartett

Dann wurde aus dem Kammerorchester zunächst ein Streichquartett (mit Katalin Hercegh, Susanne Jablonski, Joachim Schwarz und Wolfram Geiss) für Dmitri Schostakowitschs achtes Quartett, danach für Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ ein Streichsextett (zusätzlich mit Rüdiger Spuck und Dorothea Brenner). Ein Kammermusik-Teil auf höchst eindrucksvollem Niveau.

Das Werk der Komponistin Charlotte Seither steht in diesem Jahr im Mittelpunkt des Festivals. Ihr Stück „Schatten und Klarsein“ für Sopran und Streichorchester beschloss das außergewöhnliche Konzert.

Das Stück bezieht sich auf eine Äußerung Heinrich von Kleists über ein Bild von Caspar David Friedrich. Man muss aber weder Kleist noch Friedrich kennen, um von der feinen Streicherstruktur, die von unzähligen Glissandi in Bewegung gehalten wird, angesprochen, ja beinahe hypnotisiert zu werden. Geradezu anrührend war es, wie Ingrid Frøseths klare Sopranstimme mit den Streichern verschmolz.

Beeindruckend schließlich, wie ausdauernd 70 Zuhörer applaudieren konnten.

Von Werner Fritsch

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