Interview: Schauspieler Michael Fassbender über den Film „X-Men“ und Deutschsein

„Ich bin arbeitswütig“

Er hat etwas vom jungen Sean Connery, der in den 60ern James Bond berühmt machte. Vielleicht liegt es auch daran, dass Michael Fassbender (34) in „X-Men - Erste Entscheidung“ selbst einen Superhelden spielt, der ab Donnerstag auch die deutschen Kinozuschauer verzücken wird. Bekannt wurde Fassbender, der 1977 als Sohn eines Deutschen und einer Irin in Heidelberg geboren wurde, vor zwei Jahren mit „Inglorious Basterds“. Nun wird ihm eine große Karriere vorausgesagt.

Wie in „Inglorious Basterds“ sprechen Sie auch in „X-Men - Erste Entscheidung“ selbst in der englischen Originalfassung echtes Deutsch.

Michael Fassbender: Dabei kann ich gar nicht wirklich gut Deutsch. Ich verstehe mehr, als ich sprechen kann. Aber wenn es eine Figur verlangt, mache ich es natürlich. Bei Erik Lensherr wird dadurch deutlich gemacht, dass er aus Europa kommt. Er ist in Deutschland und Polen aufgewachsen, bevor er unter den Nazis ins Konzentrationslager kam.

Ihr Vater ist ebenfalls Deutscher, und Sie wurden in Heidelberg geboren. Macht Sie das zum Deutschen?

Fassbender: Ach, wissen Sie, die Welt ist so klein geworden, und man kann ganz schnell von einem Land ins nächste reisen. Deshalb ist mir das egal. Geografisch gesehen, würde ich mich aber ganz klar als Europäer bezeichnen. Wenn es an mir etwas typisch Deutsches gibt, dann ist es wahrscheinlich meine Arbeitswut.

Groß geworden sind Sie in Irland, der Heimat Ihrer Mutter. Haben Sie sich schon mal geschämt, deutsch zu sein?

Fassbender: Nie, weil sich Menschen, egal welcher Nationalität, in ihrem Wesen nicht voneinander unterscheiden. Dass es Unterdrücker gibt und andere, die darunter leiden und sogar sterben müssen, ist leider ein menschliches Phänomen. Es ist in der Vergangenheit passiert, und es passiert auch heute noch überall. Da muss man nicht immer nur die deutsche Geschichte als Beispiel heranziehen.

Spüren Sie überhaupt noch eine emotionale Bindung zu Ihrem Geburtsland?

Fassbender: Doch, doch, ich liebe Krautkrapfen. Das ist eine schwäbische Spezialität mit Sauerkraut und Speck in einen Nudelteig gefüllt. Manchmal bereite ich das selber vor und überrasche meine Freunde damit.

Im Film gehen Sie mit einer blauen Frau ins Bett. War das nicht etwas eigenartig?

Fassbender: Sie meinen die Szene mit Mystique. Ja, die musste zweimal gedreht werden. Morgens traf ich mich mit Jennifer Lawrence, so wie wir sie alle kennen und lieben. Nachmittags kamen wir dann nochmals zusammen, und diesmal war Jennifer ganz in Blau und trug im Gesicht einige Prothesen. Im Film dauert die Verwandlungsszene nur einige Sekunden, doch man dreht den ganzen Tag daran.

Entsteht dann trotzdem ein erotisches Knistern?

Fassbender: Absolut nicht (lacht). Das ist eine Szene wie jede andere. Interessant ist sie nur für den Zuschauer, weil ich Mystique das gebe, wonach sie sich sehnt. Sie möchte sexuell begehrt werden, was ihr die anderen Männer nicht geben, weil sie kein normales Wesen ist.

Wie viel haben Sie Quentin Tarantino zu verdanken, der Sie durch „Inglorious Basterds“ zum Star gemacht hat?

Fassbender: Mit Sicherheit hat dieser Film dazu beigetragen, dass Kinogänger auf der ganzen Welt jetzt meinen Namen kennen. Aber wenn ich ehrlich bin, hat „Hunger“ eine größere Bedeutung für mich.

Steve McQueens Regiedebüt aus dem Jahr 2008, in dem es um den Hungerstreik 1981 im nordirischen Maze-Gefängnis geht.

Fassbender: Dieser Film hat tatsächlich mein Leben verändert. Darin konnte ich zeigen, was ich schauspielerisch kann. „Hunger“ lässt sich nicht mit dem Erfolg von „Inglorious Basterds“ vergleichen. Er hat kein großes Publikum erreicht, aber viele Filmemacher haben ihn gesehen. Erst danach hörte mein Telefon nicht mehr auf zu klingeln, und seitdem bekomme ich ein Filmangebot nach dem anderen. (Ricore)

Von Markus Tschiedert

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