Der in Kassel aufgewachsene Kabarettist Peter Vollmer über seine Solo-Programme

„Ich bin ein Baunataler“

Berichtet vom Alltag des Mannes in den Jahren 40 plus: Peter Vollmer. Foto: nh

Der in Kassel aufgewachsene Kabarettist Peter Vollmer (48) gastiert am Freitag, 20 Uhr, mit einem Best-of-Programm auf der Kleinkunstbühne Baunatal. Es heißt „Wenn Männer zu sehr 40 werden“.

Was passiert denn, wenn Männer zu sehr 40 werden?

Peter Vollmer: Dann erscheint manches in anderem Licht. Die Selbsteinschätzung schwankt zwischen Iron Man und Pflegefall. Man hat alle Freiheiten, geht aber lieber früh ins Bett, stellt die Sitzheizung auf drei und glaubt, man hätte Feuer unterm Arsch.

Klingt bedrohlich. Aber mit 40 steht man doch voll im Saft.

Vollmer: Das ist richtig, deshalb ist 40 auch ein Alter, in dem man nochmal loslegt: Man probiert manches aus und beweist sich und allen anderen, dass noch ein ganzer Kerl in einem steckt. Das geht manchmal gut und manchmal schief. Darüber kann man sehr schön Kabarett machen.

Sie sind 48.

Vollmer: Man kann sagen, ich weiß, wovon ich spreche.

Was ist denn mit Frauen, die 40 werden? Ist das auch problematisch?

Vollmer: Jetzt hätte ich fast gesagt: Da steckt man nicht so drin. Aber natürlich setzt man sich in diesem Alter auch mit Beziehungsfragen auf einer anderen Ebene auseinander. Man hat einige Erfahrungen gemacht, weiß, wie’s geht, aber muss feststellen, bestimmte Konflikte bleiben einem in der zweiten Lebenshälfte erhalten.

Sie machen also kein reines Männer-Programm.

Vollmer: Natürlich erzähle ich das aus meiner Perspektive. Aber Frauen können die Männer vielleicht danach ein bisschen besser verstehen. Es gibt Szenen, wo sie ihn im Publikum anstößt und sagt: Genau so ist es.

Eines Ihrer Themen ist Medizin. Sie haben auch Programme wie „Doktor-Spiele“ gemacht. Gehen Sie zur Vorsorge? Ab 40 soll man das ja tun.

Vollmer: Natürlich. Aber man ist Ärzten rettungslos ausgeliefert. Man wird schnell mal zur großen Hafenrundfahrt der Untersuchungen eingeladen. Es geht einem danach genauso gut und dem Arzt finanziell deutlich besser.

Fällt Ihnen zu den ständigen Reformen der Gesundheitsreformen noch was ein?

Vollmer: Das Karussell dreht sich so schnell, dass mir da etwas schwindlig geworden ist. Aber ich versuche natürlich dranzubleiben.

Gibt es Themen, über die Sie keine Witze machen würden? Oder ist alles kabarettfähig?

Vollmer: Naja, ich würde nicht alles ins Kabarett nehmen. Das ist eine Frage von individuellem Geschmacksempfinden. Hier erzähle ich Alltagserfahrungen, Erlebnisse aus meiner Umgebung.

Der Comedy-Boom hält an. Sie sind seit 15 Jahren im Geschäft. Was hat sich seither verändert?

Vollmer: Die Zugänge sind breiter geworden, man erreicht andere Leute. Früher kam ein fester Kreis, die Studenten und Lehrer. Das ist vor allem durchs Fernsehen anders geworden. Das ist befruchtend. Ich freue mich aber vor allem über die Kontinuität. Kabarett ist eine beständige Kunstform.

Sie haben in Ihrer Jugend in Kassel gelebt. Was bedeutet Ihnen die Stadt?

Vollmer: Kassel betrachte ich als meine Heimat. Ein Ort, der mit meinem Leben ganz fest verbunden ist. Ich fühle mich da wohl und habe einen Zugang zu den Leuten.

Und was löst Baunatal aus?

Vollmer: Da hab ich in Schülerzeiten gejobbt und öfter schon gespielt. Eine schön gelegene, aufgeschlossene, moderne kleine Stadt. Was für John F. Kennedy Berlin gewesen ist, ist für einen Kabarettisten die Kleinkunstbühne Baunatal. Deswegen sage ich: Ich bin ein Baunataler.

Freitag, 5.11., 20 Uhr, Kleinkunstbühne, Bornhagen 3, Baunatal. Karten: Tel. 0561/4992214

Von Mark-Christian von Busse

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