Sie spricht über Ghetto-Comedy, Brachialhumor und ihre glückliche Kindheit

„Ich bin Bushido mit Ballett“: Komikerin Kebekus im Interview

Neulich machte Carolin Kebekus der katholischen Kirche Ärger. Bei der Bischofskonferenz fragte sie für die ZDF-„heute-show“ vor laufender Kamera den Kölner Kardinal Joachim Meisner mit einer Bewerbungsmappe unterm Arm nach Aufstiegschancen von Frauen in der Kirche und bekundete, sie wolle Papst werden.

„Da haben Sie nicht die Figur dazu“, antwortete Meisner. Ein Kirchensprecher forderte vergeblich, die Szene nicht zu senden, und nannte das ZDF-Team „unfair und bedrängend“.

Normalerweise ist Carolin Kebekus eher auf den Straßen von Köln-Ostheim zu Hause. Zumindest stammt von dort das Personal ihrer Programme. Am 12. März tritt sie mit „Pussy Terror“ in der Stadthalle in Baunatal auf.

Sie machen Ghetto-Comedy. Ist das ein Versuch, sich bei der Vielzahl von Comedians abzuheben, zu unterscheiden? Und wie schwer ist das?

Carolin Kebekus: Bei mir stand da gar kein Plan dahinter. Ich fand die Geschichten lustig und hab sie deswegen erzählt. Als Comedian sollte man authentisch sein und bei seinem Umfeld bleiben, bei dem, was einem das Publikum abnimmt. Wenn ich jemandem glaube, was er auf der Bühne erzählt - egal ob das ausgedacht ist -, ist es super. Man braucht kein Profil wie „der mit den grünen Schuhen, der immer Witze über Eisbären macht“.

Nun sind Sie ja - Entschuldigung, wenn ich das so sage - brillant im Pöbeln. Wo haben Sie das her?

Kebekus: Ich komme aus einem sehr lebhaften Stadtteil in Köln, da wohnen sehr viele verschiedene Menschen, und da kriegt man so einiges mit. Das ist Futter für meine Parodien. Aber eigentlich muss man ja nur mal Bahn fahren.

Also, es ist alles der Realität abgeschaut.

Kebekus: Absolut, absolut.

Sie sind Tochter eines Bankkaufmanns und einer Sozialpädagogin - das ist ja eine ganz heiße Kombo.

Kebekus: Ja, ja. Genau. Jetzt hab ich aber komische Bilder von meinen Eltern im Kopf. Danke dafür.

Sie hatten schon eine glückliche Kindheit?

Kebekus: Eine sehr glückliche. Ich sag immer, ich bin zwar im Ghetto aufgewachsen, aber mir fehlte es an nichts. Ich bin Bushido mit Ballettunterricht.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie eine Begabung für die Bühne haben?

Kebekus: Das merkt man, wenn man Geschichten gern ausschmückt, während andere sagen: Aber das stimmt doch gar nicht.

In Ihrem Pressetext heißt es: „Gosse kann auch sexy sein.“ Wieso das denn?

Kebekus: Die Mischung ist vielleicht ungewöhnlich, dass ich als Frau solche harten Töne anschlage, aber das ist meine Nische. Und es war immer meine Art. Ich fand es schon als Kind schlimm, wenn ich so als Mädchen belächelt wurde: „Die Mädchen gehen jetzt mal raus spielen, die Opas wollen schön Zigarre rauchen ...“ Das fand ich komisch, und darauf musste ich mit Lautstärke reagieren.

Also es darf durchaus Brachialhumor sein?

Kebekus: Darf es. Aber ich kann auch über normale Fritzchenwitze lachen.

Ist es nicht zu leicht, sich über die Prolls aus der Unterschicht lustig zu machen?

Kebekus: Ja, das ist natürlich eine Masche. Aber ich stell mich nicht drüber, denn ich komme ja daher: Wenn ich die Rebecca oder die Doreen nachmache, bin ich mir ziemlich sicher, dass ich mit 15 eigentlich die wahre Vorlage dafür war. Ich bin nicht so weit weg davon.

Gibt es für Sie auf der Bühne noch irgendwelche Tabus?

Kebekus: Auch bei irgendwelchen schlimmen, tragischen Ereignissen kann man seine Meinung auf der Bühne äußern, solange man sich nicht auf die Opfer stürzt, sondern die Täter attackiert. Und je heikler das ist, desto besser muss der Witz sein.

Sind Tourneen nicht schrecklich im Vergleich zum lauschigen TV-Studio, wo man alles proben und schneiden kann, bis alles perfekt ist?

Kebekus: Stimmt, das ist ein gewaltiger Unterschied. Dafür hat die Bühne diese Unmittelbarkeit, diese Theaterform. Das ist toll. Da zu stehen und die Leute direkt mitzubekommen. Jeder Abend ist anders und einzigartig. Momentan würde ich mich immer für die Bühne entscheiden.

Sie haben auch Ausflüge zum Film gemacht. Reizt Sie das auch?

Kebekus: Ja, absolut. Ich bin ja eigentlich Schauspielerin. Wenn solche Angebote kommen, freue ich mich total. Zuletzt war ich die Prinzessin im Film „Ritter Rost“. Davon habe ich immer geträumt, mal so eine kleine animierte Zeichentrickfigur zu sprechen. Das darf ich nicht so laut sagen, meine Agentur muss noch über eine Gage verhandeln. Ich hätte das ja sofort umsonst gemacht.

12. März, 20 Uhr, Stadthalle Baunatal: Carolin Kebekus, „Pussy Terror“. Karten: Tel. 0561/203204, www.hna-kartenservice.de

Zur Person:

Carolin Kebekus (32, geboren in Bergisch Gladbach) wurde bekannt durch Parodien von Tokio-Hotel-Sänger Bill Kaulitz oder Jennifer Lopez in den „Freitag Nacht News“. Zahlreiche Auftritte in Comedyshows, neuerdings auch als Reporterin der ZDF-„heute-show“. Nebenrollen als Schauspielerin, mehrere Grimme-Preis-Nominierungen, Deutscher Comedypreis 2007 für „Kinder, Kinder“. Sie lebt als Single in Köln. Auf die Frage nach Hobbys sagt sie: „Ich häkel kleine Tiere.“ (vbs) Foto: dpa

Von Mark-Christian von Busse

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