Matt Damon über den Irakkrieg und seinen Film „Green Zone“

„Ich war dagegen“

In Paul Greengrass’ jetzt startendem Film „Green Zone“ spielt der talentierte Schauspielstar Matt Damon den Leiter eines Spezialkommandos der US-Armee, das sich in Bagdad 2003 auf die Suche nach jenen Massenvernichtungswaffen macht, deren vermeintliche Existenz als Begründung für die Invasion herangezogen wurde.

Was haben Sie gedacht, als die US-Armee 2003 unter dem Vorwand in den Irak einmarschiert ist, dass es dort Massenvernichtungswaffen gibt?

Matt Damon: Ich war dagegen und das habe ich auch öffentlich gesagt. Ich habe eine Petition unterschrieben, die forderte, den UN-Waffeninspektoren mehr Zeit zu geben. Dafür bin ich sehr stark angefeindet worden. Damals haben 75 Prozent der US-Bürger gedacht, dass Saddam etwas mit den Ereignissen des 11. September zu tun hat.

Aus welchem Blickwinkel schaut „Green Zone“ auf den Krieg im Irak?

Damon: Die Entwicklung, die meine Figur durchmacht, ist eine Reise, auf die viele Soldaten geschickt wurden. Roy Miller kommt nach Bagdad, um nach Massenvernichtungswaffen zu suchen, und er realisiert, dass es diese Waffen nicht gibt. Tausende von US-Soldaten sind deshalb gestorben. Und bis heute ist die US-Regierung die Antwort schuldig geblieben, wie es dazu kommen konnte.

Sie behaupten, dass es an schlechten Geheimdienstinformationen lag.

Damon: Die CIA hat ihre Methoden, um die Zuverlässigkeit von Informationen zu prüfen. Aber das Verteidigungsministerium hat sich aus bereits als unzuverlässig eingestuften Informationen das herausgesucht, was zu seinen Plänen gepasst hat. Und die Politiker haben die Lügen nur zu gern geglaubt.

Gibt es für Kriege wie diese eine Rechtfertigung?

Damon: Wenn man in den Krieg zieht, sollte man gute Gründe dafür haben. Aber generell bin ich der Meinung, dass die Menschheit in der Lage sein sollte, ihre Differenzen auf andere Art zu lösen.

Die US-Gesellschaft ist nicht nur, was den Krieg im Irak angeht, stark polarisiert. Weht in Hollywood ein liberalerer Geist als im Rest des Landes?

Damon: Es gibt auch viele Konservative in Hollywood. Mag sein, dass Künstler in der Regel eine liberalere Haltung haben. Ich bin kein Soziologe, ich weiß nur, warum ich diesen Film machen wollte. Der Einmarsch in den Irak war der größte außenpolitische Fehler, den ich in meinem Leben erlebt habe. Darüber wollte ich einen Film machen und zwar für ein Massenpublikum.

Als Nebendarsteller und als Berater waren bei diesem Filmprojekt ehemalige Soldaten beteiligt, die damals selbst in Bagdad dabei waren.

Damon: Monty Gonzales, auf dessen Erlebnissen meine Figur beruht, stand im Irak in einer Porzellan-Fabrik und war sich sicher, dass kein Mensch behaupten konnte, dass an diesem Ort etwas anderes als Porzellan produziert wurde. Ich fragte ihn, warum er bei dem Film mitmacht. Nach einer langen Pause sagte er: „Weil wir im Irak unsere moralische Autorität verloren haben.“ Es fiel ihm nicht leicht, das zu sagen.

Von Martin Schwickert

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