Regisseurin und Schauspielerin Jodie Foster im Interview über ihren Film „Der Biber“ mit Mel Gibson

„Ich war ein einsames Kind“

Der Plüschbiber hilft gegen die Einsamkeit: Jodie Foster und ihr Star Mel Gibson als Meredith und Walter im Film „Der Biber“. Foto:  dpa

In größeren Abständen übernimmt die Schauspielerin Jodie Foster selbst das Kommando am Drehort. Ihre Regiearbeiten „Das Wunderkind Tate“ und „Familienfest und andere Schwierigkeiten“ setzten sich mit problematischen Familien auseinander. Eine Kerbe, in die auch Fosters aktuelles Werk schlägt. In „Der Biber“ kommuniziert ein depressiver Manager und Familienvater nur noch über eine Handpuppe mit seiner Außenwelt. Diese Woche läuft der Film in den Kinos an.

Mrs. Foster, hegen Sie ein besonderes Interesse für die Dynamik einer Familie?

Jodie Foster: Definitiv, alle meine Filme drehen sich um diese Thematik. In einer Familie sind wir alle miteinander verwoben. Tatsächlich üben wir nicht nur auf uns diesen Einfluss aus, sondern auch auf die kommenden Generationen. Selbst wenn ich einen Film über Marsianer drehen würde, liefe es wohl auf „Meine Familie vom Mars“ heraus. Insofern unterscheiden sich meine Regiearbeiten von den Filmen, die ich als Schauspielerin mache. In diesen Geschichten begleitet man meistens eine auf sich allein gestellte Frau auf ihrer Reise.

Hat der Film „Der Biber“ eine Botschaft?

Foster: Ein Charakter muss sich einer Krise stellen. Erst wenn er sie überwunden hat, kann er sich weiterentwickeln. In diesem Film geht es um die Angst vor dem Alleinsein und wie wir mit ihr umgehen. Auch dieses Motiv kehrt in meinen Arbeiten immer wieder.

War es schwierig, den richtigen Biber zu finden?

Foster: Alle schienen sich Gedanken darüber zu machen. Die Wahrheit ist, dass er doch nur ein Stück Baumwolle ist. Ich wollte nicht in die Trickkiste greifen, ihm Augen verpassen, die dir zu folgen scheinen. Es spielt gar keine Rolle, was Walter da über seine Hand stülpt.

Hatten Sie als Kind einen imaginären Freund?

Foster: Nein. Aber ich war ein einsames Kind. Ich habe sehr viel Zeit mit Selbstgesprächen verbracht. Lange Zeit fühlte ich mich so, als würde mich kein anderer verstehen. Das hatte auch sein Gutes, was den Job betraf. Er gehörte allein mir, niemand würde mir diese Erfahrung wegnehmen. Wenn sich der Biber Walter vorstellt, sagt der: „Lass mich in Ruhe!“. Und der Biber antwortet: „Nein, das mache ich nicht, denn das ist nicht das, was du willst.“

Ist ihr Film auch eine Kritik an der typisch amerikanischen Familie?

Foster: Das sehe ich nicht so. Der Film erforscht eine Familie. Walter ist ein Mann, der alles hat. Das Erste, was wir sehen, ist dieses wundervolle Haus. Er hat eine Familie und man sollte annehmen, dass er glücklich ist. Tatsächlich aber treibt er schlafend durch sein Dasein. Es ist, als stecke er fest in diesem Leben. Da ist kein Gefühl mehr übrig. Es ist schon ein interessantes amerikanisches Phänomen, dass wir unglücklich sind, obwohl wir alles haben.

Warum haben Sie Mel Gibson besetzt, der noch nie in einer Independent-Produktion aufgetreten ist?

Foster: In dieser Welt hat er nie gelebt, seine Arbeit hat einen starken Mainstream-Touch. Es brauchte jemanden mit seiner Leichtigkeit, der das Erzählen der Geschichte vor allem zu Beginn versteht. Ich wusste, dass er ein erstaunlicher Schauspieler und eine tiefgründige Person ist, jemand, der versteht, wie es ist, wenn man mit sich kämpft.

Um Mel Gibson gab es in der letzten Zeit einige Kontroversen.

Foster: In mancher Beziehung ist auch er ein Mann, der mit sich ringt. Und gewiss nicht der Einzige.

Von André Wesche

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