Interview: Roman Lob über seinen Aufstieg zum Casting-Star, das Landleben und Mountainbike-Stürze

„Ich genieße jeden Moment“

Er ist dann doch nicht die neue Lena geworden, aber mit einem achten Platz beim Eurovision Song Contest in Baku hat Roman Lob ein respektables Ergebnis geschafft. Bald geht der 22-Jährige mit seinem Debütalbum „Changes“ auf Tour. Wir sprachen mit Lob am Telefon, bevor er am 17. Oktober im Kasseler Musiktheater auftritt.

Sie sind heute in Frankfurt unterwegs und haben gerade bei Facebook geschrieben: „Mann, ist Frankfurt groß“.

Roman Lob: Genau, ich war total überrascht. Vielleicht lag das daran, dass ich mit meinem eigenen Auto angereist bin und total überwältigt war vom Verkehr. Frankfurt ist ein bisschen größer als die Stadt, aus der ich komme.

Anfang des Jahres waren Sie noch ein angehender Industriemechaniker aus einem 6000-Einwohner-Ort im Westerwald. Dann wurden Sie Deutschlands Star für Baku mit fast 100 000 Fans bei Facebook. Wie lang braucht man, um so einen Aufstieg zu realisieren?

Lob: Man denkt jetzt noch darüber nach. Es ist schon Wahnsinn, dass alles so seinen Lauf nimmt und die Likes auf Facebook immer noch Tag für Tag steigen. Wenn ich zuhause auf der Couch sitze, sehe ich mich in der Werbung oder im Video auf Viva. Wie krass. Da muss ich mich manchmal schon kneifen, damit ich weiß, dass ich das nicht träume. Ich genieße jeden Moment.

Wie gehen die Menschen in Neustadt mit Ihnen um? Schon vor Baku gab es eine große Verabschiedungsparty. Sind Sie jetzt Ehrenbürger?

Lob: Nein, das ist ganz locker. Auf der Straße erkennen mich die Leute zwar, klopfen mir auf die Schulter und wünschen mir alles Gute, aber sie behandeln mich genauso wie immer. Und ich glaube auch nicht, dass ich mich verändert habe. Hoffe ich zumindest.

Früher haben Sie in einer Metal-Band gespielt, jetzt machen Sie melodischen Power-Pop. In welcher Schublade fühlen Sie sich am wohlsten?

Lob: Ich fühle mich überall sehr wohl. Mit meiner jetzigen Band mache ich Alternative-Rock. Privat höre ich Metal, Hardcore und Pop. Ich bin sehr offen für Musikarten. Deshalb gibt es auf meinem Album unterschiedliche Songs zwischen Rock, Balladen und Power-Pop-Songs. Es soll für jeden etwas dabei sein.

Wie war das Aufnehmen des Albums mit Thomas D auf dessen Hof in der einsamen Eifel, den er M.A.R.S. nennt, was so viel heißt wie „Moderne Anstalt Rigoroser Spakker“?

Lob: Auf dem M.A.R.S. war es super entspannt. Alle 20 Minuten fährt mal ein Trecker vorbei. Ansonsten passiert da nicht viel. Da kann man sich super auf die Musik und das Schreiben konzentrieren. Thomas ist fast schon wie ein Vater für mich und hat immer gute Tipps. Sein Motto ist, dass man alles nicht so stressig angehen soll. Man muss sich in die Musik einfühlen. Wir telefonieren weiterhin jede Woche miteinander. Und ab und an bin ich noch auf dem M.A.R.S. Ich mag die Ruhe, deshalb werde ich auch nicht nach Berlin oder Köln ziehen.

Was antworten Sie denjenigen, denen Sie zu normal für einen Popstar sind?

Lob: Ich bin nun einmal so wie ich bin. Und ich will auch gar nichts anders machen. Es ist besser, authentisch zu sein, als sich etwas auszudenken.

Lena kichert den ganzen Tag, andere nehmen Drogen. Haben Sie irgendein Laster, mit dem Sie uns schocken können?

Lob: Nein (lacht), mir fällt da wirklich nichts ein.

Angeblich fahren Sie Downhill im Westerwald. Das sind doch die bösen Biker, die illegale Schanzen anlegen.

Lob: Das stimmt. Ich fahre schon seit zehn Jahren Downhill – allerdings ohne illegale Schanzen. Meistens bin ich mit meinem Spezialrad in Bike-Parks wie in Winterberg unterwegs. Vor ein paar Jahren habe ich mir den Arm gebrochen. Das war nicht so toll, aber es gehört irgendwie dazu.

Da haben wir doch ein Laster: Roman Lob stürzt sich ohne Verluste halsbrecherisch den Berg hinab.

Lob: Quatsch. Außer dem gebrochenen Arm ist nie etwas passiert. Downhill sollte jeder mal ausprobieren.

Roman Lob: 17. Oktober, Musiktheater Kassel, Angersbachstraße 10. Tickets: HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.