Helge Schneider präsentierte sich in der Kasseler Stadthalle komödiantisch und musikalisch in Bestform

„Ich habe absichtlich Fehler eingebaut“

Zum Blödeln aufgelegt: Helge Schneider in Kassel, der auch musikalisch überzeugte. Foto:  Fischer

Kassel. Genial oder dämlich? Spinner oder Künstler? Obwohl die „singende Herrentorte“ Helge Schneider immer noch die Lager spaltet – jene, die ihn für den „Größten“ halten, sind eindeutig in der Überzahl. Am Samstag gastierte der 1955 in Mühlheim geborene Universal-Künstler mit seinem Programm „Buxe voll“ in der voll besetzten Kasseler Stadthalle. Einer Halle voller Fans, das darf man vorwegnehmen.

Jedes Wort, jede Geste, jede Blödelei und jedes Lied sorgte für Lachsalven. 20 Uhr, großer Saal: Ein Mann in braunem Cordanzug und mit brauner Perücke stolpert auf die Bühne. Er grinst und brabbelt etwas in sich hinein, was mit dem Ausruf „Tee“ endet. In der Dienermontur früherer Jahrhunderte eilt Bodo, sein Bühnensklave, mit dem Tablett herbei. Ein Procedere, das Schneider gut 20-mal an dem Abend süffisant abspult. Und jedes Mal darf gelacht werden.

Schneider macht Bodo, ebenso wie alle anderen Mitglieder seines Bühnenensembles, gern zur Zielscheibe seines Humors.

Musikalische Einlagen

So auch den 75-jährigen Kontrabassisten Rudi Olbrich: „Haste deine Tabletten genommen, Rudi? Rudii – ich bin es, erkennst du mich?“ Auch sein ausgezeichneter Gitarrist Sandro Giampietro und Schlagzeuger Willi Ketzer rücken immer wieder ins Visier: „Kennst du Händel? Händel? Händel und Gretel?“

Mit „Texas“, „ein Bundesland wie die Pfalz“, startet Schneider seine musikalische Offensive. „Ein spezielles Liebeslied“, „Hast du eine Mutter, hast du immer Butter“ und viele andere Titel folgen.

Schneider darf man eben nicht nur an seinem skurrilen Humor messen. Er ist bekanntermaßen auch ein ausgezeichneter Musiker. Klavier, Orgel, Vibrafon – alle Achtung. Doch typisch Helge: „Ich habe absichtlich einige Fehler eingebaut. Wer jetzt richtig spielt, spielt also falsch.“

Zwischen den Liedern tanzt immer wieder eine schwarz gekleidete Gestalt über die Bühne. Als Sergei Gleithman stellt ihn Schneider vor.

Auch seine verrückten Geschichten punkten. Thema Schönheits-OP. „Die Frau liegt auf einem Bügelbrett, der Arzt sieht aus wie ein Lurch mit Stiefeln von den Stadtwerken.“

Fazit: Schneiders scheinbar niveauloser Textblödsinn erinnert an einen Drittklässler, der aufschreibt, was er zuvor drauflosplappert, und der auf der Bühne wirkt, als habe er die Hälfte davon wieder vergessen. Gerade das aber macht ihn so herrlich komisch. Helge Schneider in Bestform.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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